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Ein Roma-Kind im Kosovo Ein Roma-Kind im Kosovo  (AFP or licensors)

D/Kosovo: Jesuiten ziehen sich aus ihrer Pilotschule zurück

Um die künftige Ausrichtung der von den Jesuiten gegründeten Loyola-Schulen im Kosovo gibt es Streit. Die Oberen der Ordensprovinzen von Deutschland, Österreich und Kroatien erklärten am Wochenende ihren sofortigen Austritt aus dem Trägerverein. Zuvor hatte dessen Mitgliederversammlung Schuldirektor Axel Bödefeld (50) das Vertrauen entzogen und mit sofortiger Wirkung entpflichtet.

Der Pater leitete in der Stadt Prizren das von rund 700 Schülern besuchte Vorzeige-Gymnasium seit vier Jahren. Seit 2013 gibt es dort auch eine Loyola-Grundschule. Die Einrichtung startete 2005 als das erste Internatsgymnasium für Mädchen und Jungen im Kosovo. Es ist nach Angaben der Jesuiten in seiner Ausrichtung bis heute einmalig in dem Balkanstaat und erfreut sich hoher Nachfrage. Unterrichtet werden Schüler aller Ethnien und Bekenntnisse. Zu den Besonderheiten zählt den Angaben zufolge die Vermittlung der deutschen Sprache auf hohem Niveau. Am Aufbau waren das katholische Osteuropahilfswerk Renovabis und mehrere deutsche Bistümer finanziell beteiligt.

Bedauern

Der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, Pater Bernhard Bürgler, äußerte sein Bedauern. Die Jesuiten hätten sich in Prizren erheblich mit Geld und Personal engagiert. Der Rückzug sei aber unumgänglich, weil eine Mehrheit des Vereins die vom Orden gewünschte Grundausrichtung nicht mittrage. So fehle der Rückhalt für die begonnene Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher aus den Minderheiten der Roma und Ashkali. Dasselbe gelte für das von Politik und Wirtschaft unterstützte und sehr weit fortgeschrittene Projekt einer Berufsschule, in der Jugendliche für Betriebe im Kosovo ausgebildet werden sollten.

Albanische und kosovarische Organisationen

Mitglieder des Trägervereins sind albanische und kosovarische Organisationen, ein Frauenorden, die deutsche Hilfsorganisation Grünhelme, zwei Gliederungen des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) in Sachsen, die Stiftung einer westfälischen Industriellenfamilie sowie weitere Förderer. Der deutsche Jesuitenprovinzial Pater Johannes Siebner erklärte nach seiner Rückkehr aus dem Kosovo am Sonntag auf Anfrage, die entscheidende Abstimmung im Trägerverein sei geheim gewesen. Allerdings sei das Gremium „seit Jahren gespalten“. Hinsichtlich der Ausrichtung der Bildungsarbeit gebe es „unterschiedliche Interessen“. Er vermute, dass auch der Wunsch, mit Absolventen aus dem Kosovo den Fachkräftemangel in Deutschland zu beheben, eine Rolle spiele.

(kna/pm – mg)

14 April 2019, 16:09