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Bischof Norbert Strotmann und Bischof Felix Genn in Peru Die Bischöfe Norbert Strotmann und Felix Genn in Peru 

Bischof Genn nach Südamerika-Reise: Kluft zwischen Arm und Reich scheint unüberwindlich

Zwei Wochen war Bischof Felix Genn von Münster in Peru und Brasilien unterwegs. Die unglaubliche Armut, aber auch die Kreativität und Beharrlichkeit bei der Glaubensweitergabe haben sich ihm ins Gedächtnis gebrannt, erzählt uns der Bischof nach seiner Rückkehr.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Bei seinem Aufenthalt in Lateinamerika in der zweiten Märzhälfte besuchte er das im Osten Limas gelegene Bistum Chosica, geleitet durch Bischof Norbert Strotmann, und die brasilianischen Bistümer Obidos im Amazonasgebiet - geleitet durch Bischof Johannes Bahlmann -, Brasilia und Porto Alegre. Strotmann wie Bahlmann stammen beide aus dem Bistum Müster, das Genn leitet. Er sei als Lernender, und nicht als Lehrender auf der Reise gewesen, betont der Bischof im Gespräch mit Vatican News.

„Was ich wahrgenommen habe, habe ich voller Ehrfurcht und Respekt vor der Arbeit dieser Mitbrüder entgegengenommen. Ich bin nicht der wissende Westdeutsche und Europäer, der denen zu sagen hat, wie es läuft, sondern der, der empfängt und sich beschenken lässt von den Herausforderungen, die die Menschen dort sehen und annehmen.“

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Einsatz der Kirche gegen Armut

Der Probleme gibt es in beiden bereisten Ländern jedenfalls genug, insbesondere der krasse Gegensatz zwischen Arm und Reich habe ihn „fast zerrissen“, gesteht Bischof Genn. Viele Menschen lebten in unvorstellbarer Armut, die eine große Herauforderung nicht nur für die Gesellschaft, sondern erst recht für die Kirche sei: „Es hat mich sehr berührt, wie die Kirche darauf antwortet und vieles tut, um wenigstens ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein zu sein.“

Er habe in Peru einige äußerst interessante Projekte besucht, mit denen die Ortskirche versucht, gegen die Armut anzukämpfen, berichtet Bischof Genn. Darunter seien eine von Missionsschwestern unter großen Entbehrungen geführte Schule, die nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern in die Ausbildung miteinbeziehen, oder ein einfaches Krankenhaus, in dem auch Arme bei leichten Krankheiten eine gute Behandlung erfahren könnten. Diese Projekte stellten ein „starkes Glaubenszeugnis“ dar, zeigt sich der Bischof begeistert.

Grassierende Korruption

Dennoch treibe ihn die Frage um, inwieweit man dieser krassen sozialen Spaltung auch politisch gegensteuern könne: „Insbesondere müsste hier sicher mit der Korruption aufgeräumt werden“, diagnostiziert Genn.

Mit Blick auf die Armut sehe die Situation der Kirche in Brasilien ähnlich aus: „Sie ähnelt sich in dieser als auch in pastoraler Hinsicht. Den Abbruch der Glaubensweitergabe gibt es bei uns, in Peru und auch in Brasilien. Ich erlebe, wie die kirchlichen Initiativen darum bemüht sind, diese Glaubensweitergabe durch die lokalen Katecheten und durch lokale und diözesane Pastoralpläne aufzufangen.“

Evangelisierung in einer säkularisierten Gesellschaft

Natürlich könne er nur aufgrund der Erfahrungen seines kurzen Besuches sprechen, betont der Bischof, doch als besonders dringende Herausforderung auf diesem Gebiet habe er in Peru tatsächlich wahrgenommen, eine neue Form der Evangelisierung in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft zu finden. In Brasilien wiederum gebe es deutliche Unterschiede zwischen Nord und Süd: „Die Herausforderungen im Amazonas-Gebiet haben ihre eigene Qualität, weil die Gemeinden sehr weit auseinanderliegen und nicht so gut erreichbar sind wie etwa die in der Großstadt, Porte Alegre oder Brasília“.

Vorbild für eine neue Form der Gemeindeleitung

Er selbst nehme von dieser Reise die Frage mit, „wie wir uns von dieser globalisierten Armut im reichen Westen ansprechen lassen und was wir von den Schwestern und Brüdern in Brasilien und Peru lernen können.“ Denn diese setzten ganz besonders auf die Arbeit von Laien, wobei der gegenseitige Respekt deutlich wird: „Sie sprechen gar nicht von Ehrenamtlichen, sondern von den getauften und gefirmten Christen, die vor Ort das Gemeindeleben in die Hand nehmen. Davon können wir wahrscheinlich sehr viel lernen, bis hin zu Formen der Gemeindeleitung,“ meint der Münsteraner Bischof.

Amazonas-Synode: Keine einseitigen Fixierungen

Natürlich wirft in den besuchten Gebieten auch schon die Amazonas-Synode ihre Schatten voraus. Ab 6. Oktober beschäftigen sich Vertreter der Weltkirche, besonders vom Amazonas, Vatikanverantwortliche und viele weitere geladene Gäste im Vatikan drei Wochen lang mit dieser Erdregion und ihren Herausforderungen aus ökologischer, sozialer und seelsorgerlicher Perspektive. Er selbst habe vor Ort die Erwartungen vieler kirchlicher Akteure gehört, erzählt der Bischof:

„Klar ist ihnen, dass der Akzent auf der Frage der Ökologie, also der Anwendung von ,Laudato sí‘ und auf der neuen Form der Evangelisierung liegen muss. Dass man sich in Deutschland so sehr auf die Frage fokussiert, wie Gemeinden geleitet werden, finden sie einseitig.“

„Ein Gebiet, das für die ganze Erde von immenser Bedeutung ist“

Seiner Wahnehmung nach bereiteten sich die kirchlichen Akteure im Amazonas-Gebiet mit großer Begeisterung und Leidenschaft auf die Synode vor. Immerhin werde damit ein Gebiet, „das für die ganze Erde von immenser Bedeutung ist“, in den Mittelpunkt gestellt: „Ein Landstrich, der sonst im Auf und Ab des kirchlichen Betriebs leicht untergeht, wird zur zentralen Frage gemacht. Ich hoffe natürlich auch, dass wir, gerade auch mit Blick auf die Umsetzung von ,Laudato sí‘ sensibler werden dafür, wie wir wirtschaften und leben. Das hat auch mit dem zu tun, was im Amazonasgebiet geschieht."

(vatican news/pm)

08 April 2019, 13:34