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 Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat sich kritisch zur Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche geäußert Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat sich kritisch zur Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche geäußert  (Bistum Trier)

Bischof Ackermann kritisiert „Machtmissbrauch“ in der Kirche

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, sieht „Machtmissbrauch“ als wesentlichen Grund für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche an. Dies sei aus seiner Sicht „der Knackpunkt“, wenn man nach „systemischen Ursachen“ frage, sagte der Trierer Bischof am Dienstagabend bei einem Podiumsgespräch in Frankfurt am Main.

Bislang gebe es im System der katholischen Kirche „keine wirkliche Gewaltenteilung“, sagte Ackermann und forderte: „Macht muss kontrolliert und geteilt werden.“ Man dürfe auch nicht die Macht, die im Priesteramt verdichtet sei, „spirituell wegreden“, indem man zum Beispiel nur von „priesterlichem Dienst“ spreche. Allerdings sei er „skeptisch“, ob beim bevorstehenden Kinderschutzgipfel im Vatikan die „systemischen Fragen“ schon in der Tiefe besprochen würden.

Nervosität und plakative Lösungen 

Es sei auch zu spüren, dass in der katholische Kirche in Deutschland „die Nervosität steigt“. Die Bischöfe spürten den hohen „Druck“ und die „Aggression“, die beim Thema Missbrauch gegenüber der Kirche herrsche. Nur so sei es auch zu erklären, dass sich zuletzt Bischöfe in der Öffentlichkeit mit sehr unterschiedlichen Ideen und Lösungsansätzen zu Wort gemeldet hätten. Das sei "ein bisschen wie ein Hühnerhof", kritisierte Ackermann. Scheinbar plakative Lösungen seien aber oft zu kurz gegriffen, betonte Ackermann bei der Veranstaltung in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

Ende September 2018 war die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ vorgestellt worden. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden.

(kna- rl)

20 Februar 2019, 14:31