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Abschied von der Steinkohle im Ruhrgebiet Abschied von der Steinkohle im Ruhrgebiet  (ANSA)

Deutschland: Bischof Overbeck würdigt Lebensleistung von Bergleuten

Das Ruhrgebiet nimmt Abschied von der Steinkohleförderung. Es ist das Ende einer ganzen Ära, sagt dazu der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck. Donnerstagnachmittag laden die katholische und die evangelische Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst in den Essener Dom ein.

Im Gespräch mit dem Kölner Domradio würdigte Bischof Overbeck vor allem die „unglaubliche Lebens- und Arbeitsleistung“ der Bergleute.

DOMRADIO.DE: Was wird denn Ihre Botschaft beim Gottesdienst an die Menschen im Ruhrgebiet sein?

Bischof Franz-Josef Overbeck (Bistum Essen): Vor allem werde ich den Menschen für eine unglaubliche Lebens- und Arbeitsleistung in über 200 Jahren Industriegeschichte danken. Das, was dort geleistet wurde, ist nicht nur für das Ruhrgebiet und für Deutschland wichtig, sondern hat darüber hinaus große Bedeutung gehabt. Das Ende des Bergbaus ist nun auch mit viel Trauer und Abschied, sowie mit viel Wehmut verbunden ist. Das beschäftigt viele Menschen und mich natürlich auch.

„Das Ende ist immer auch ein emotionaler Moment für die Menschen, die sich damit verbunden fühlen“

DOMRADIO.DE: Dieser Wandel in der Region kommt jetzt nicht ganz plötzlich vom Himmel gefallen. Zum Beispiel sind Sie am vergangenen Karfreitag auf der Zeche Prosper-Haniel gewesen und sind dort mit Menschen den traditionellen Kreuzweg zusammen gegangen. Wie erleben Sie die Leute? Sind sie nur sentimental oder ist dieser Wandel schon lange vollzogen?

Overbeck: Der Wandel hält ja schon lange an. Unsere Ruhr-Bistum wurde 1958 gegründet. Da arbeiteten noch 700.000 Bergleute in den Zechen. Schon damals im selben Jahr sind die ersten zwanzig Zechen geschlossen worden. Und jetzt nach über 60 Jahren wird dann die letzte Zeche mit Prosper-Haniel still gelegt. Das bedeutet, diesen Strukturwandel kennen viele Menschen wirklich schon sehr lange. Aber das Ende ist immer auch ein emotionaler Moment für die Menschen, die sich damit verbunden fühlen. Ansonsten sind viele Veränderungsprozesse schon seit Jahrzehnten abgelaufen. Hier in unseren Städten und in der ganzen Region. Das bedeutet für viele ist der aktive Steinkohlebergbau schon nicht mehr wirklich präsent, es sei denn durch die Fördertürme.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind Sie ja in der Deutschen Bischofskonferenz auch für gesellschaftliche und soziale Fragen zuständig. Ist denn dieser Umstieg – sagen wir mal – sozialverträglich organisiert worden?

Overbeck: Auf jeden Fall. Das lief sehr vorbildlich. Der Ausstieg ist seit 2007 beschlossene Sache. Seitdem wurde ein sozialverträglicher Stellenabbau, viele Umschulungen und andere sozial bedeutsame Förderungen auf den Weg gebracht. Das ist wirklich vorbildlich gewesen. Da sind sich alle einig, auch wenn das Ende natürlich trotzdem schmerzt.

„Das ist wirklich vorbildlich gewesen. Da sind sich alle einig, auch wenn das Ende natürlich trotzdem schmerzt.“

DOMRADIO.DE: Der Schmerz scheint mir – wenn ich das bei Ihnen richtig raushöre – bei Ihnnen auch zu überwiegen. Oder?

Overbeck: Ich glaube, für viele Menschen ist die Region von ihrer Geschichte her durch Kohle und Stahl geprägt. Für sie bedeutet dieses Ende wirklich das Ende einer ganzen Ära. Das wird wahrgenommen und das muss auch entsprechend gewürdigt werden. Und darum sind wir in diesen Tagen alle so gestimmt.

DOMRADIO.DE: Der Bergbau und das Ruhr-Bistum sind ganz eng miteinander verbunden. Die heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute, vor ihrem Bischofshaus steht eine Lore, ein Bergbau-Transportwagen. Wird sich diese Verbindung jetzt verändern?

Overbeck: Die Verbindung wird sich deswegen verändern, weil sich die Kontakte im Alltag nicht mehr so einfach halten werden. Die vielen Aufgaben etwa für den Rückbau werden, die fallen nun weg. Aber dieTugenden und Wertevorstellungen, die sich entwickelt haben, die werden bleiben und uns auch weiter zusammenhalten. Sie haben gerade schon die heilige Barbara genannt, sie ist ein schönes Symbol dafür.

„Ich hoffe, dass diese Region einen sehr hohen kulturellen und sonstigen Lebenswert hat.“

DOMRADIO.DE: Gucken wir mal 30 Jahre in die Zukunft. Spielen wir ein bisschen Prophet. Wodurch wird sich das Ruhrgebiet dann Ihrer Meinung nach charakterisieren?

Overbeck: Ich hoffe, dass es dann eine unserer Welt entsprechend, globalisierte und digitale Region geworden ist, wo sich gerne Unternehmen ansiedeln. In der Region werden sicherlich ganz viele Menschen wohnen, die sich auch nicht nur durch Solidarität, sondern auch durch hohe Integrationsleistungen auszeichnen werden. Ich hoffe, dass diese Region einen sehr hohen kulturellen und sonstigen Lebenswert hat. Das soll sich auch in der Natur und der Art und Weise, wie wir sie pflegen, zeigen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(domradio)

20 Dezember 2018, 13:30