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Der russische Patriarch Kyrill (Mitte) mit Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel (rechts) Der russische Patriarch Kyrill (Mitte) mit Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel (rechts)  (AFP or licensors)

D: Orthodoxe Bischöfe tagen ohne russische Amtsbrüder

Die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) kommt am Mittwoch in Bonn erstmals ohne ihre vier russisch-orthodoxen Mitglieder zusammen.

Wegen des Streits um die Gründung einer eigenständigen (autokephalen) Landeskirche in der Ukraine lassen alle drei russischen Bischöfe ihre Mitgliedschaft ruhen, wie es das Moskauer Patriarchat Mitte Oktober beschlossen hatte. Zudem wird auch der Generalsekretär der Bischofskonferenz, der russisch-orthoxe Ipodiakon Nikolaj Thon, der Sitzung fernbleiben. Das sagten Kirchensprecher am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Nach Angaben des Sprechers der griechisch-orthodoxen Metropolie in Bonn, Konstantinos Vliagkoftis, werden die Bischöfe bei ihrer Versammlung über die Wahl eines kommissarischen Generalsekretärs beraten. Auch der Religionsunterricht werde ein Sitzungsthema sein.

Rückzug aus allen Gremien angeordnet

Die russisch-orthodoxe Kirche hatte den Rückzug ihrer Geistlichen aus allen Gremien angeordnet, die wie die OBKD von Vertretern des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel geleitet werden. Das Moskauer Patriarchat will die Hoheit über die Ukraine behalten. Es wirft Konstantinopel vor, mit der Gründung der ukrainischen Kirche gegen den orthodoxen Grundsatz zu verstoßen, Entscheidungen nur einvernehmlich zu treffen. Das Ökumenische Patriarchat betont hingegen, es halte sich genau an das Kirchenrecht.

Der 2010 gegründeten Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland gehörten bislang 16 Diözesan- und Weihbischöfe aus 7 orthodoxen Kirchen an. Vorsitzender ist der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos (80) mit Sitz in Bonn. Gemäß den Kirchenstatuten leitet die Bischofskonferenz stets der ranghöchste Bischof des Patriarchats von Konstantinopel.

Konstantinopel legt Eparchien zusammen

Auch anderweitig hat der Konflikt innerhalb der orthodoxen Weltgemeinschaft weitere Kreise gezogen. So hat der Heilige Synod von Konstantinopel bei seiner am Donnerstag beendeten Sitzung beschlossen, die Erzeparchie für die Gemeinden russisch-orthodoxer Tradition in Europa aufzulösen und sie den örtlichen Eparchien des Ökumenischen Patriarchats einzugliedern. Das entsprechende Dekret von 1999 über die Beauftragung eines Erzbischof-Exarchen für diese Gemeinden - zuletzt war dies Bischof Jean (Renneteau) - wurde zurückgezogen.

Als Grund nannte Konstantinopel die „pastoralen und spirituellen Notwendigkeiten der Gegenwart“: Die Umstände, die zur Gründung des Exarchats nach der Oktoberrevolution 1918 geführt hätten, hätten sich gewandelt. Die Gemeinden hätten sich unermüdlich um die Bewahrung der „reichen spirituellen Tradition Russlands“ nach der „blutigen Verfolgung durch das neue atheistische Regime“ bemüht. Die jetzige Entscheidung ziele darauf ab, die Verbindung der Pfarrgemeinden russischer Tradition mit der Mutterkirche von Konstantinopel zu stärken.

Eine bewegte Geschichte

Völlig „überrascht“ zeigte sich Erzbischof Jean (Renneteau) von der Entscheidung, die ihm Patriarch Bartholomaios persönlich mitgeteilt habe. Er sei zuvor nicht konsultiert worden, sondern bei einem Arbeitsbesuch im Phanar in Istanbul mit der Entscheidung konfrontiert worden. Das Exarchat teilte indes auf seiner Website mit, dass für den 15. Dezember eine Pastoralversammlung geplant sei, um Priester und Gläubige über die Situation zu informieren.

Das Exarchat mit Sitz in Paris geht auf die Fluchtbewegung aus Sowjetrussland ab 1918 zurück: 1921 ernannte der Moskauer Patriarch Tichon den in Paris residierenden Metropoliten Jewlogij (Georgijewskij; 1868-1946) zu seinem Repräsentanten in Westeuropa. 1927 untersagte der im jugoslawischen Sremski Karlovci residierende Heilige Synod der russischen Kirche im Ausland dem Metropoliten die Ausübung seiner bischöflichen Rechte. Daraufhin kam es zu einer Spaltung in der russischen Emigration.

1931 unterstellte sich der Metropolit vorübergehend dem Ökumenischen Patriarchen. Ein Jahr vor seinem Tod kehrte er in die Jurisdiktion der russisch-orthodoxen Kirche zurück. Die meisten Priester und Gläubigen blieben aber unter der Fürhung Konstantinopels. Das Exarchat umfasst derzeit 65 Pfarrgemeinden, zwei Klöster und sieben Mönchsgemeinschaften. 100 Priester und 30 Diakone sind in der Seelsorge tätig.

(kna/kap – sk)

02 Dezember 2018, 11:38