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Kardinal Christoph Schönborn, der Erzbischof von Wien, warnt vor der Verfolgung von Einzelinteressen Kardinal Christoph Schönborn, der Erzbischof von Wien, warnt vor der Verfolgung von Einzelinteressen 

Kardinal Schönborn: Schließung der Balkanroute ist keine Lösung

Kardinal Christoph Schönborn hat zum Abschluss eines zweitägigen Aufenthalts in Belgrad das Flüchtlingslager Obrenovac nahe der serbischen Hauptstadt besucht. In dem Lager auf dem Areal einer früheren Kaserne sind derzeit rund 650 männliche Flüchtlinge im Alter von 18 bis etwa 40 Jahren untergebracht, die in Serbien gestrandet sind.

Einige haben in Serbien um Asyl angesucht, andere hoffen immer noch, dass sie in ein anderes Land weiterkommen können. „Die sogenannte Balkanroute wurde geschlossen, aber damit ist das Problem nicht gelöst. Die Menschen die nun nicht weiter konnten, gibt es ja immer noch. Hier in Obrenovac kann man ihnen begegnen“, sagte Kardinal Schönborn am Rande des Besuchs in Obrenovac am Sonntagabend gegenüber Kathpress.

Wiener Erzbischof warnt vor Rückschritt

 

Der Wiener Erzbischof zeigte sich beeindruckt vom Willen der Flüchtlinge, aus ihrem Leben etwas zu machen. Er hoffe sehr, dass es möglichst vielen auch gelinge. Zugleich hob der Kardinal  das Engagement der Caritas im Lager hervor. Sein Besuch in Obrenovac wie generell in Belgrad mache einmal mehr deutlich, dass es für Europa eine gute Zukunft nur im Miteinander geben könne, so Schönborn. Einmal mehr warnte der Kardinal vor einem Auseinanderbrechen Europas in Einzelstaaten und Partikularinteressen. Dies wäre ein gewaltiger Rückschritt.

Caritas und UNHCR helfen im Lager Obrenovac

 

Das Lager Obrenovac besteht seit zwei Jahren. Nachdem Ungarn und Kroatien ihre Grenzen für Flüchtlinge schlossen, steckten viele von ihnen in Serbien fest. Als sich im Januar 2017 aufgrund der extremen Kälte in Belgrad mit Nachttemperaturen von teilweise bis zu minus 30 Grad die Situation der Flüchtlinge, die nach wie vor außerhalb von Flüchtlingslagern lebten, zuspitzte, war Caritas Serbien die erste Hilfsorganisation, die gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in dem neu eröffneten Lager in Obrenovac war. Als erste Maßnahme wurde eine Wäscherei im Lager eingerichtet, die von den Migranten benutzt wird. Schrittweise kamen Angebote zur Strukturierung des Tagesablaufs der Menschen dazu, wie etwa eine Holzwerkstatt und ein Fitnessclub.

Koordinierte internationale Hilfe 

In zahlreichen weiteren Flüchtlingslagern ist die Caritas für die Versorgung mit Lebensmitteln zuständig. Die Caritas Serbien wird in ihrer Arbeit mit und für die Flüchtlinge auch von der Caritas Österreich finanziell und mit Know How unterstützt. Die Caritas Österreich arbeitet bereits seit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre mit Partnern in den Balkanländern zusammen. In Serbien wurde vor allem mit den diözesanen Caritasverbänden in Subotica und in Belgrad eine enge Partnerschaft aufgebaut, weiters auch mit der serbisch-orthodoxen Hilfsorganisation Covekoljublje (Philantropie). Alle Partner sind sowohl in der Nothilfe und im Wiederaufbau als auch in der Sozialarbeit tätig. Durch die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern konnte zudem ein Beitrag zur Ökumene im Land geleistet werden: Covekoljublje arbeitet mittlerweile auch mit anderen Partnern aus dem internationalen Caritasnetzwerk zusammen.

Starkes österreichisches Engagement in Serbien

Am Sonntagvormittag weihte Kardinal Schönborn gemeinsam mit dem Belgrader Erzbischof Stanislav Hocevar das neue Pastoralzentrum der katholischen Kirche im Zentrum von Belgrad ein. Das Zentrum wurde auch mit finanzieller Hilfe der Kirche aus Österreich errichtet und renoviert. Unmittelbarer Anlass für den Belgradbesuch des Wiener Erzbischofs am Samstag und Sonntag waren die Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Kardinal Schönborn und der österreichische Militärbischof Werner Freistetter leiteten dabei am Samstag gemeinsam mit dem Erzbischof Hocevar eine Gedenkfeier auf dem Friedhof Novo Groblje.

Versöhnung in der Orthodoxie?

Im Zeichen der Versöhnung und der Einheit stand außerdem ein Friedensgottesdienst in der katholischen Kathedrale von Belgrad. „Das Blutvergießen des Ersten Weltkriegs schreit zum Himmel, aber nicht nach Rache, sondern nach Versöhnung", betonte Schönborn in seiner Predigt. An der Messe nahmen auch hochrangige Vertreter der Orthodoxen Kirche, des Islam sowie der serbische Außenminister Ivica Dacic teil. Für Kardinal Schönborn stand in Belgrad zudem ein Treffen mit dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej auf dem Programm. Im Mittelpunkt des Gesprächs im serbischen Patriarchat standen dabei die Beziehungen zwischen der serbisch-orthodoxen und katholischen Kirche. 

(kap - hoe)

12 November 2018, 11:57