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Archivbild: Kardinal Marx und Bischof Ackermann Archivbild: Kardinal Marx und Bischof Ackermann  (AFP or licensors)

D: Kinderschutz ist gesamtgesellschaftliches Problem

Die katholische Kirche in Deutschland begeht am Sonntag erstmals einen Gedenktag für die Opfer sexuellen Missbrauchs. Am 18. November ist auch der Europäische Tag des Kinderschutzes. Damit soll deutlich gemacht werden, „dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist“, sagt gegenüber dem Domradio Bischof Stephan Ackermann. Er ist Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Papst hat es gewünscht, die deutschen Bischöfe führen es aus: alle Bischofskonferenzen sollen im Laufe des Jahres einen Tag des Gebets für Missbrauchsopfer vorsehen. „Wir haben uns dazu entschieden, dies mit dem Europäischen Tag des Kinderschutzes zu verbinden“, erläutert Bischof Ackermann. Damit solle deutlich werden, dass es nicht nur ein kirchliches Problem sei. „Die Betroffenen sollen einen Raum des öffentlichen Gebetes bekommen und im Gottesdienst einen Platz haben. Wir verschweigen das dort nicht. Ich glaube, das ist ein starkes Signal.“, so der Trierer Bischof weiter. Es gehe auch darum, durch das Gebet für das Thema zu sensibilisieren. „Solche Gedenk- und Gebetstage sind ein Mittel, dass das Thema nicht wieder wegrutscht“, sagt Bischof Ackermann.

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Neu in gebündelter Form

Seit 2010 ist Ackermann Beauftragter bei der Deutschen Bischofskonferenz für das Thema. Im September diesen Jahres ist die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ rausgekommen. „Es gab in den letzten Jahren immer wieder verschiedene Gottesdienste, auch die Anregungen, im Fürbittgebet der Betroffenen zu gedenken, für sie zu beten. Das ist nicht etwas, das völlig neu wäre“, räumt der Missbrauchsbeauftragte ein. Nur diese „gebündelte Form“ sei neu. „Ich sage auch ganz ehrlich, dass es in den letzten Jahren Zeit bedurft hat, eine Sensibilität zu erarbeiten, wie sich das in einer guten Weise vollziehen kann. Sodass wir etwa nicht an den Opfern vorbei Vergebung von Gott erbitten“, erläutert Bischof Ackermann.

 

“ Denn die Betroffenen fragen natürlich, wer diejenigen sind, die vergeben – das sind doch wir. ”

 

„Ich weiß, dass Betroffene da sehr sensibel sind, wenn in den Gebeten auch die Kirche darum bittet, dass Schuld vergeben wird. Denn die Betroffenen fragen natürlich, wer diejenigen sind, die vergeben – das sind doch wir. Also muss auch die Gebetssprache eine hohe Sensibilität haben und da haben wir in den letzten Jahren dazugelernt. Deswegen geben wir jetzt für diesen Gebetstag Anregungen für eine sensible Sprache. Denn beim besten Willen kann man auch Dinge falsch machen und da braucht es Fingerspitzengefühl.“

Die Betroffenen selber wünschen aber nicht nur Gebete und eine sensible Sprache, was es ebenfalls brauche, seien Hilfe und konkrete Entschädigung, wie beispielsweise der Sprecher des Vereins „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, hervorgehoben hatte. Bischof Ackermann: „Man kann das nicht gegeneinander ausspielen. Das ist vollkommen klar. Ich verstehe auch, dass die Betroffenen, aber natürlich auch die Öffentlichkeit, Menschen in der Kirche, in der Gesellschaft, sagen, Worte allein reichen nicht, es braucht Taten. Ich will auch ehrlich sagen, aus meiner Perspektive haben wir in den letzten acht Jahren wirklich sehr viel in dem Bereich unternommen. Auch wenn durch die Studie, die ja auf sieben Jahrzehnte und noch länger zurückschaut, der Eindruck vermittelt wird, dass es jetzt wieder ganz neue Erkenntnisse wären, gibt es eine ganze Menge von Elementen zur Aufarbeitung und Prävention, die wir implementiert haben.“

In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind.

(domradio – mg)

13 November 2018, 11:32