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Vatican News

Behindertenwallfahrt der Malteser: „Man muss auch improvisieren"

800 deutsche Malteser erkunden seit Montag die Ewige Stadt. Dass viele von ihnen auf einen Rollstuhl angewiesen sind oder andere Handicaps haben, ist eine Herausforderung für Teilnehmer und Organisatoren.
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Julia Rosner - Vatikanstadt

Jeder Rom-Pilger dürfte es schon einmal am eigenen Leib erlebt haben: nach einem Sightseeing-Tag schmerzen die Füße. Grund dafür sind die unebenen Straßen und das Kopfsteinpflaster in der antiken Stadt. Auch die Menschenansammlungen und die langen Wartezeiten vor den beliebten Pilgerstätten sind für viele Besucher beschwerlich. Für Rollstuhlfahrer und Menschen, die andere (Geh-)Behinderungen haben, ist der Aufenthalt in Rom eine noch größere Herausforderung.

Dieser stellen sich die deutschen Malteser alle drei Jahre neu – bei der größten Wallfahrt für Menschen mit Behinderung. Insgesamt 800 Teilnehmer, darunter zahlreiche Menschen mit verschiedenen Handicaps und ihre Betreuer, sind in diesen Tagen in Rom und im Vatikan unterwegs. Sie werden von einem Leitungs- und Serviceteam aus 40 Leuten unterstützt.

„Für mich ist das schönste Geschenk, die strahlenden Augen der Teilnehmer zu sehen, wenn sie trotz ihrer Behinderung die heiligen Stätten besuchen können“, sagt Diakon Wilhelm Ralf Schwenk. Gemeinsam mit 34 anderen Maltesern ist er Teil der Kölner Gruppe. Er selbst ist zum fünften Mal dabei und kümmert sich um die Pilger, die auf Hilfe angewiesen sind. 13 Rollstuhlfahrer gehören zur Gruppe. Auch Ärzte sind immer mit dabei, denn solch eine lange Reise stelle eine große körperliche Belastung dar, so Diakon Schwenk.

Mit Polizeieskorte unterwegs

In speziellen Reisebussen und per Flugzeug sind die Pilger am Freitag oder Samstag – je nach Startort in Deutschland – aufgebrochen. Die meisten haben einen Zwischenstopp am Brenner eingelegt. Auf der Fahrt wurde gemeinsam gebetet, gesungen und man hat sich kennengelernt. Untergebracht sind die Pilger zum Großteil in mehr oder weniger behindertengerechten Unterkünften außerhalb der Stadt. Mit Motorrad-Polizeieskorte werden die 20 Reisebusse im Konvoi jeden Morgen durch den römischen Verkehr zu den jeweiligen Pilgerzielen geleitet - ein beeindruckendes Bild im täglichen Gewusel aus Autos, Motorrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Erstes gemeinsames Ziel auf dem Programm: ein Besuch des Vatikans, wo die einzelnen Pilgergruppen aus verschiedenen Angeboten auswählen konnten. Nach einer Heiligen Messe im Petersdom und dem gemeinsamen Mittagessen gab es die Möglichkeit, die vatikanischen Gärten, die Museen oder die Basilika näher zu erkunden. Eine Gruppe sammelte sich zum Rosenkranz an der „Lourdesgrotte“ der vatikanischen Gärten. Vatikan zum Anfassen: für alle Teilnehmer ein ganz besonderes Gefühl.  

Behindertengerechte Programmpunkte

„Bei der Organisation haben wir darauf geachtet, dass die einzelnen Programmpunkte behindertengerecht gestaltet sind. Dazu gehört auch der barrierefreie Zugang. Zum Beispiel ist eine gute Zugänglichkeit der Sanitäranlagen wichtig“, sagt uns Annerose Sandner aus dem Presseteam der Malteser. Immer sei dies jedoch nicht möglich gewesen. „Improvisation gehört dazu. Die Hauptpilgerorte sind nicht immer barrierefrei. Dennoch müssen sie Teil der Reise sein“, erklärt sie. Einen Romaufenthalt ohne den Besuch der Hauptkirchen St. Peter, des Lateran und St. Paul vor den Mauern sowie des Petersplatzs ist für die Malteser undenkbar. Auch der Besuch der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz ist seit Jahren fester Bestandteil der Reise und stellt für viele das Highlight der Reise dar. In diesem Jahr wurden die Planungen jedoch kurzfristig umgeworfen: statt der Generalaudienz zelebriert der Papst am Mittwoch die Heilige Messe zur Eröffnung der Weltbischofssynode zur Jugend. Auch dort werden die Malteser selbstverständlich anwesend sein: ein eigener Block ist für die Pilgergruppe reserviert worden. Nach einem schlimmen Regenguss am Montag, der die Pilger bei ihrem Einzug in den Vatikan kräftig durchnässt hat, steigen nun besonders inbrünstige Gebete um günstigeres Wetter zu Petrus in den Himmel. 

Dienst an Christus im Nächsten

Seit 1986 gibt es die große Romwallfahrt. Aus den vorherigen Pilgertouren haben die Malteser gelernt, wo die besten Zugänge zu den Pilgerstätten zu finden sind und welche Besichtigungszeiten gut passen. „Früher haben wir viele Rollstuhlrampen aus Deutschland mitgebracht. Heute ist das nicht mehr nötig. Die Stadt ist ein klein wenig rollstuhlfreundlicher geworden und wir bekommen viel Unterstützung. Lediglich zwei Notrampen haben wir im Gepäck“, sagt Markus Bensmann. Er ist der Einsatzleiter der gesamten Wallfahrtsgruppe und für die Logistik zuständig. Bis Freitag ist die Gruppe in Rom unterwegs. Dann geht es für alle wieder zurück in die Heimat.

Eine große Besonderheit der Wallfahrt: alle Helfer sind ehrenamtlich dabei. Viele haben für die Zeit in Rom Urlaub bei ihrer eigentlichen Arbeitsstelle beantragt. „Das ist wirklich Dienst am Menschen, an den Kranken und damit auch am Herrn“, sagt Diakon Schwenk von der Kölner Gruppe stolz und fügt hinzu: „Wir begegnen hier Christus im anderen jeden Tag neu – das macht alle glücklich und lässt auch schwierige Situationen gut gelingen“.

(vatican news)

02 Oktober 2018, 12:09