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Bischof Heiner Wilmer Bischof Heiner Wilmer 

D: Bischof benennt Verantwortliche in Sachen Missbrauch

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer wirft seinem Vorvorgänger Josef Homeyer Versagen im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch vor. Damit benennt er als erster Leiter eines deutschen Bistums einen verantwortlichen Bischof.

Auf kaum einer deutschen Diözese lasten Fälle von sexuellem Missbrauch so schwer wie auf dem Bistum Hildesheim. Der neue Bischof Heiner Wilmer hat hat nun in einem NDR-Interview konkrete Verantwortliche benannt – allen voran seinen 2010 verstorbenen Vorvorgänger Josef Homeyer, der von 1983 bis 2004 an der Spitze des Bistums stand.

„Im Zusammenhang mit der Causa Peter R. hat der damalige Bischof Josef Homeyer mit seiner Bistumsleitung nicht nur versagt, sondern sie haben fürchterliche Dinge zugedeckt, und das ist eine Katastrophe“, so Wilmer.

Der Fall Peter R.

Schon vor einem Jahr hatte ein vom Bistum in Auftrag gegebenes unabhängiges Gutachten Homeyer als Verantwortlichen benannt. Die Autoren vom Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) legten dar, wie der Fall Peter R. totgeschwiegen und vertuscht wurde. Der Jesuitenpater gilt als einer Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg, wo er in den 70er- und 80er-Jahren mindestens 100 Kinder missbraucht haben soll. Von 1982 bis 2003 war er unter Bischof Homeyer im Bistum Hildesheim tätig.

Belastendes Gutachten

Laut Gutachten hat Homeyer spätestens ab 1989 von den Vorwürfen gegen R. gewusst. Ab 1993 habe der Bischof zudem von weiteren Fällen erfahren, in denen sich der Priester auch im Bistum Hildesheim an Minderjährigen vergangen haben soll. Trotzdem durfte der Jesuit bis 1997 weiter mit Jugendlichen arbeiten. Erst als sich immer mehr Opfer meldeten, wurde Peter R. mehrmals versetzt - jeweils ohne die betreffenden Gemeinden über den Grund zu informieren.

Die Verantwortlichen im Bistum Hildesheim hätten „lange Zeit wissentlich in Kauf genommen“, dass Minderjährige durch Peter R. gefährdet wurden seien, bilanziert das Gutachten und lässt damit keine Zweifel an der Schuld Homeyers.

Thema ist nun „Chefsache“

Dass sich nun erstmals ein Diözesanbischof dieser Sicht anschließt, zeigt, dass in Sachen Missbrauch im Bistum Hildesheim einiges in Bewegung ist. Heiner Wilmer hat nach seinem Amtsantritt im September das Thema zur Chefsache gemacht. Er plant, seinen Beraterstab zu erweitern, und will die Akten auch für eine Aufarbeitung durch Externe öffnen. „Wir brauchen externen Sachverstand. Es ist unmöglich, dass Kirche hier nur eine Binnenkultur pflegt“, betonte er im NDR.

Der Fall Peter R. war durch einen ARD-Bericht erneut in die Schlagzeilen geraten. Der Priester ist mittlerweile im Ruhestand und vom Dienst suspendiert. Er lebt in Berlin, wo vor dem Kirchengericht ein Verfahren gegen ihn läuft.

Sendung „Meine Täter, die Priester“

Für die am Montag ausgestrahlte Sendung „Meine Täter, die Priester“ war der Sprecher der Opferinitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, Anfang des Jahres in Chile unterwegs auf den Spuren des Geistlichen. Katsch besuchte unter anderem ein katholisches Sozialzentrum, in dem Peter R. häufig zu Gast gewesen sein soll. Zudem sollen immer wieder Jugendliche von dort Peter R. besucht haben. Mehrere von ihnen berichten in dem Film von Übergriffen, die auch zur Hildesheimer Zeit stattfanden. Katsch machte zwei Chileninnen ausfindig, deren Fälle bereits im IPP-Gutachten erfasst sind, zu denen das Bistum aber bisher keinen Kontakt hatte. Außerdem ermittelte er zwei weitere bisher gänzlich unbekannte Opfer.

Bischof Wilmer habe Katsch - schon vor der Ausstrahlung des Berichts - zu einem Treffen im November eingeladen, sagte ein Sprecher. Außerdem wolle das Bistum Kontakt zu den nun bekannt gewordenen Opfern aus Chile aufnehmen und die Staatsanwaltschaft auf diese Fälle hinweisen.

(kna – ros)

19 Oktober 2018, 10:19