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Kapuziner unter sich Kapuziner unter sich 

Schweiz: Ein einfaches Mönchsleben statt Churer Bischof

Der langjährige Generalminister der Kapuziner, Mauro Jöhri, hat im Gespräch mit dem Schweizer Nachrichtenportal kath.ch betont, dass er weder Bischof noch Administrator des Bistums Churs werden wolle. Vielmehr wolle er nun „ein einfaches Mönchsleben im Tessin“ führen.

Zwölf Jahre lang hat der aus dem Südostschweizer Kanton Graubünden stammende Mauro Jöhri die Kapuziner weltweit von Rom aus angeführt. Der heute 71-Jährige sei stolz und gleichzeitig kritisch mit Blick auf seine bisherige Tätigkeit: „Mir ist es gelungen, den Orden im brüderlichen Respekt zu begleiten“, so Jöhri wörtlich. Das Wachstum im Süden der Welt stimme ihn optimistisch. Dagegen gingen die Zahlen in Europa und in den USA zurück, die zunehmende Säkularisierung mache sich hier bemerkbar.

Auch die Klerikalisierung in dem Orden sei ein Thema. „Viele Kapuziner in Afrika und in Indien wollen unbedingt Priester werden, weil unter anderem der Priesterberuf mit einem hohen sozialen Prestige verbunden ist“, so Jöhri. Das passe jedoch nicht zur Spiritualität der Kapuziner: „Wir stehen für Bescheidenheit, Nähe zu den Armen und nicht für Prestige“.

Auf die Frage nach dem Bistum Chur, aus dem Jöhri stammt und das im kommenden Jahr einen neuen Bischof bekommen soll, antwortet er: „Ich bin jetzt 71 Jahre alt geworden. Ein Bischof muss mit 75 Jahren seinen Rücktritt anbieten – ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Amtszeit von vier Jahren sinnvoll ist.“ Auch einen Posten als Administrator des Bistums könne er sich nicht vorstellen.

Kein Krisenmanagement für Missbrauchsfälle gehabt

 

Zum Missbrauchsthema sagt Jöhri, dass die Kapuziner kein Krisenmanagement gehabt hätten. Eine unabhängige Untersuchungskommission in der Schweiz hatte ihn im Frühjahr von Vertuschungs-Vorwürfen im Missbrauchsfall Joël Allaz entlastet. „Ich hatte von diesen ganzen Abgründen nur wenig Ahnung. Mir haben eine Ausbildung in Montréal und ein Symposium an der Gregoriana in Rom sehr geholfen, für diese Thematik sensibler zu werden“, so Jöhri. Die Kapuziner hätten mittlerweile eine sehr strenge Politik eingeführt. Jeder Verdachtsfall werde genau untersucht und müsse der Glaubenskongregation gemeldet werden. An erster Stelle stehe der Schutz des Opfers. Kinder und Jugendliche müssten in einem geschützten Umfeld aufwachsen, bekräftigt der Kapuziner.

(kath.ch)

10 September 2018, 13:08