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Kardinal Marx leitet die Deutsche Bischofskonferenz Kardinal Marx leitet die Deutsche Bischofskonferenz  (ANSA)

Missbrauch: Deutsche Bischöfe stellen Maßnahmenpaket vor

Die deutschen Bischöfe ziehen erste Konsequenzen aus der Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Auf ihrer Vollversammlung in Fulda, die am Donnerstag zu Ende ging, stellten sie ein Maßnahmenpaket vor.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Dazu gehört die Einrichtung von weiteren, externen und unabhängigen Anlaufstellen zu Fragen des sexuellen Missbrauchs. Was Personalakten von Klerikern und kirchlichen Mitarbeitern betrifft, sollen Standardverfahren entwickelt werden; geplant sind auch „verbindliche“ Kontrollverfahren für den Umgang von Bistümern mit Missbrauchsfällen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellte das Maßnahmenpaket vor der Presse vor. Er nannte die Maßnahmen ein Ergebnis der Empfehlungen aus der am Dienstag vorgestellten Missbrauchsstudie. „Als Grundlage der weiteren Debatte sind diese Empfehlungen für uns unverzichtbar geworden.“

Bischöfe wollen stärker die Begegnung mit den Betroffenen suchen

„Wir werden mehr als bisher die Begegnung mit den Betroffenen suchen“, schreiben die Bischöfe in ihrer Erklärung von diesem Donnerstag. „Für die Aufarbeitungsprozesse, die wir in den Bistümern angehen wollen, brauchen wir die Hilfe der Betroffenen sowie externer Fachleute.“

„Vielleicht ist das auch eine Art Wendepunkt“, sagte Kardinal Marx. „Manchmal überlege ich: Wie wird man in zehn, zwanzig Jahren auf uns zurückschauen? Wird man sagen: Die Bischöfe haben damals gelernt? Ich hoffe es sehr. Nicht nur die Bischöfe sind hier gefragt, sondern das ganze Volk Gottes.“

Bekenntnis zu unabhängiger Aufklärung

Die deutschen Bischöfe haben sich nach Marx‘ Angaben „in großer Ernsthaftigkeit“ mit dem Thema Missbrauch beschäftigt. „Wir sind die Studie ganz durchgegangen… Natürlich war da ein großer Gesprächsbedarf: Was kann jetzt getan werden, was müssen wir in Angriff nehmen? … Eines ist klar: Alleine hinter verschlossenen Türen etwas zu beschließen – das ist zu wenig. Wir brauchen u.a. das Gespräch mit den Betroffenen… Wir müssen miteinander reden. Ein paar Punkte werden wir auch auf den Weg bringen – aber wir Bischöfe machen das nicht alleine. Es muss gemeinsam, unter kritischer Beobachtung, ein Weg gegangen werden.“

Zum Nachhören

Das Statement der Bischöfe bekennt sich zur „unabhängigen Aufklärung“: „Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus Verantwortung institutionell für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat.“ Und weiter: „Die für die katholische Kirche spezifischen Herausforderungen wie die Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester und nach verschiedenen Aspekten der katholischen Sexualmoral werden wir unter Beteiligung von Fachleuten verschiedener Disziplinen in einem transparenten Gesprächsprozess erörtern.“

Marx: Keine Tabuthemen

„Wir wissen jetzt sehr deutlich: Ohne Aufarbeitung der Vergangenheit wird es kaum einen Weg in die Zukunft geben“, so Kardinal Marx vor der Presse. „Es darf keine Tabuthemen geben – dass man sagt: Darüber reden wir nicht…. Es geht um ein neues Miteinander in der Kirche, auch um die Teilung von Macht.“

Die Bischöfe wollen „kontinuierlich berichten, wie wir mit unseren Vorhaben vorankommen“. Auch der Papst soll in dieser Hinsicht auf dem laufenden gehalten werden. Marx mit einem Stoßseufzer: „Wir können dankbar sein für die intensiven Tage – aber es war auch hart und schmerzhaft.“

Kommunionstreit: „Das ist die große Mehrheit der Bischofskonferenz, die so agiert…“

Ein weiteres, kontroverses Thema, das aber durch die Missbrauchsstudie in den Hintergrund getreten ist, war die Teilhabe an der Eucharistie für konfessionsverbindende Ehepartner. „Kaum ein Thema hat in den letzten Monaten, vor der Missbrauchsstudie, die Öffentlichkeit – auch die innerkirchliche – so bewegt wie dieses Thema“, erinnerte Kardinal Marx.

Zu dem Text, an dem mehrere Bischöfe Anstoß genommen hatten und der mittlerweile veröffentlicht ist, sagte der Münchner Erzbischof: „Es ist eine Orientierungshilfe, keine von der Bischofskonferenz vorgegebene, verbindliche Handreichung… Ich denke, das kann jetzt ganz gut so weitergehen. Die meisten Bischöfe haben mit ihren Priestern gesprochen und ihnen die Orientierung an die Hand gegeben. Das ist die große Mehrheit der Bischofskonferenz, die so agiert… Es geht hier nicht um Zulassung oder Nicht-Zulassung, sondern darum, den Menschen Kriterien an die Hand zu geben.“

Auch über Organspende haben die deutschen Bischöfe in den letzten Tagen ausführlich debattiert. Zur Frage, ob es in dieser Hinsicht eine Gesetzesänderung geben sollte, meinte Marx: „Wir wollen dabei bleiben, dass Menschen sich frei entscheiden.“

(vatican news)
 

27 September 2018, 13:42