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Priester und Laien Priester und Laien  (ANSA)

D: Klerikalismus ist in seinem Kern etwas Gottloses

Papst Franziskus hat den Klerikalismus immer wieder kritisiert. Er sieht darin einen der Gründe für den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute. Aber was bedeutet eigentlich Klerikalismus und wie gehen Ausbilder mit Klerikalismus in der Priesterausbildung um? Unsere Kollegen vom Kölner Domradio sind diesen und weiteren Fragen nachgegangen.

Es gibt Katholiken, die schon im Tragen von Priesterkleidung und einer besonders konservativen Art, Liturgie zu feiern, Anzeichen von Klerikalismus sehen. Damit ist jenes Bestreben gemeint, mehr religiösen Einfluss im Staat zu schaffen. Axel Hammes ist Spiritual des Collegium Albertinum in Bonn. Er sagt dazu gegenüber dem Domradio:

„Ich glaube, dass das ältere Menschen aufgrund ihrer Erfahrungen von früher mit Priestern so deuten. Ich glaube, dass aber die jungen Priester, die das heute noch so praktizieren, etwas anderes motiviert. Die müssen gegen den Strom schwimmen. Sie möchten ihre Identität nicht verstecken müssen. Und, ich glaube, sie möchten die Liturgie innerlicher feiern. Ich glaube nicht, dass es darum geht, darüber irgendetwas zur Schau zu tragen und sich überlegen zu fühlen.

Allerdings ist es natürlich auch Aufgabe junger Priester, das Thema sensibel aufzugreifen, darüber ins Gespräch zu kommen und für ein Verständnis zu werben. Die Zeiten haben sich geändert und beide Seiten müssen da was voneinander lernen.“

“ Unsere jungen Seminaristen, die sprechen das von sich aus an ”

Auch bei den aktuellen Priesteramtskandidaten ist Klerikalismus ein Thema, so Hammes. „Unsere jungen Seminaristen, die sprechen das von sich aus an. Insofern ist das sowieso Thema. Das größere Thema ist aber, wie wir verantwortungsvoll auch mit den Menschen umgehen, die uns anvertraut sind – gerade mit Kindern und Jugendlichen. Das bewegt die Seminaristen noch viel mehr als jetzt die Frage nach Klerikalismus.“

Zum Nachhören

Klerikalisten seien Leute, die meinten, ihre besondere Berufung durch Gott sei eine Bevorzugung. Ein Klerikalist fühle sich durch Gott ausgezeichnet vor allen anderen. Er wähne sich den übrigen Menschen überlegen. Und deswegen flüchte er „in so eine Sonderwelt“ und meine, er hätte Anspruch auf Privilegien. Hammes:

Ein Dienst im Sinne von Dienen

 

„Unsere Aufgabe ist es, Priestertum als einen Dienst im Sinne von Dienen zu erschließen und als eine Sendung für die Menschen. Denn eigentlich ist Klerikalismus in seinem Kern etwas Gottloses, das sich fast schon an die Stelle Gottes selber setzt. Und da müssen wir zuerst mal ansetzen.“

Mit den Seminaristen wird auch über das Thema Missbrauch gesprochen.

„Wir begegnen unseren Studenten nicht mit irgendeinem Generalverdacht. Überhaupt muss in der Ausbildung eine Atmosphäre der Offenheit und der Wertschätzung herrschen, damit die jungen Männer nicht meinen, sie müssten sich mit irgendwas verstecken. Sie sollen nicht den Eindruck gewinnen, irgendwas von sich nicht zeigen zu dürfen. Im Gegenteil, sie dürfen und sollen ehrlich mit sich umgehen. Nur so können sie reifen und nur so können sie wachsen. Und dafür haben wir natürlich auch eine ganze Reihe von Elementen in die Ausbildung eingebaut, die das fördern.“ 

Und natürlich gehe es auch um die eigene Sexualität. Hammes:

„Bei der geistigen Begleitung ist natürlich die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität ein wichtiges Thema. Wie auch in der Pastoralpsychologie. Es geht darum, dass dieser wichtige Teil der Persönlichkeit nicht tabuisiert wird. Die Männer sollen wirklich eine reife, integrierte Persönlichkeit werden. Sie sollen lernen, wie sie verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umgehen können.“

(domradio – mg)

07 September 2018, 11:22