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Vatican News
Flüchtlinge aus Syrien an der Grenze zum Libanon, Juni 2018 Flüchtlinge aus Syrien an der Grenze zum Libanon, Juni 2018  (AFP or licensors)

Schick hofft auf menschliche Behandlung von Migranten

Einerseits, andererseits: Die Kirchen und Hilfswerke scheinen nicht ganz zu wissen, wie sie auf die Ergebnisse des Brüsseler EU-Gipfels zum Thema Migration reagieren sollen. Beschlossen wurde in der Nacht von Brüssel eine ganze Menge: Neue Aufnahmelager in Europa, Sammelstellen in Afrika, verstärkter Grenzschutz auf dem Mittelmeer… und nicht alles ist schon richtig durchbuchstabiert bis ins Letzte.

Erzbischof Ludwig Schick ist der Weltkirchen-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz. Er sieht es so: „Dass sich die Regierungschefs der EU geeinigt haben, ist natürlich schon mal ein gutes Zeichen für Europa. Dass die Lager jetzt eingerichtet werden, kann sich gegebenenfalls auch positiv auswirken.“

Das ist das Einerseits. Jetzt kommt in Schicks Gespräch mit dem Kölner Domradio das Andererseits: „Aber als Kirche wollen wir natürlich, dass alle Flüchtlinge gut aufgenommen werden und menschlich mit ihnen umgegangen wird. Und darauf müssen wir drängen und alles tun, dass das in diesen Lagern auch dann der Fall sein wird.“

Sammellager in Afrika? Erst einmal abwarten

 

Sprich: Auf die Art und Weise, wie die teilweise doch recht vagen Beschlüsse von Brüssel umgesetzt werden, kommt es an. Beispiel: Neue Sammellager für Migranten in Afrika. Klingt gut, aber wo sollen die liegen?

„Man muss erst einmal sehen, ob das überhaupt möglich ist. Signale, die auch von afrikanischen Staaten kommen, besagen, dass sie das nicht wollen und dass das auch überhaupt nicht ginge. Da würde ich jetzt erst einmal abwarten.“

NGOs und Kirchen brauchen Zugang zu den Lagern

 

Allerdings – der Bamberger Erzbischof hat Bedenken, was diese Gedankenspiele über eine Einrichtung von Lagern für Migranten betrifft: „Bei all diesen Sammellagern, ob in Europa oder auch in Afrika, ist es natürlich ganz, ganz wichtig, dass auch humanitäre Organisationen, unter anderem auch die Kirchen, dort schauen können, ob es den Menschen gut geht, und mitwirken, dass es ihnen tatsächlich gut geht!“

Zum Nachhören

Und die Bootsflüchtlinge? Sollen künftig auf alle Länder der Europäischen Union verteilt werden. Nicht zwangsweise allerdings, sondern auf freiwilliger Basis. Mehrere osteuropäische Länder wollen davon nichts hören. Also, was kann daraus werden?

“ Das hat bisher nicht funktioniert ”

„Das weiß ich auch nicht. Aber das wissen wir schon seit geraumer Zeit nicht. Die Forderung, dass diese Quoten der Verteilung jetzt endlich durchgeführt werden, ist ja keine neue Forderung, sondern eine alte und hat bisher nicht funktioniert. Wie das jetzt nach diesem neuerlichen Beschluss funktionieren soll, das müssen die Regierungen und Regierungschef jetzt verabreden und durchführen.“

Das ist ein bisschen viel der Unklarheit, immerhin sind wir jetzt schon fast im dritten Jahr der akuten Flüchtlingskrise, wenn man sie denn so nennen will.

Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen

 

Unschön ist, dass das Thema Migranten und Flüchtlinge in immer mehr EU-Ländern in den Wahlkampf gezerrt und von Populisten missbraucht wird. Dabei müsste aus christlicher Perspektive viel mehr die Not dieser Flüchtenden in den Blick kommen.

„Wir müssen den Menschen sehen. Vom christlichen Menschenbild her gesehen ist der Mensch das Ziel. Papst Johannes Paul II. hat gesagt, der Mensch sei der Weg der Kirche. Für jeden Staat, der sich auf der christlichen Basis entwickelt hat, muss das auch gelten. Von daher darf weder ein Flüchtling noch irgendein anderer Mensch für politische Kalküle missbraucht werden. Wir als Kirche fordern, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und dass er eben die Hilfe bekommt, die er nötig hat!“

Nicht alle sind wirklich Flüchtlinge...

 

Denn der christliche Glaube ist kein Glaube der Abschottung, sondern der offenen Herzen. „Natürlich ist es so, dass wir auch immer nach Recht und Wahrheit suchen. Nicht alle, die jetzt kommen, sind wirklich Flüchtlinge. Das ist auch mit dem Christentum zu vereinbaren. Aber selbst der, der kein Recht auf den Flüchtlingsstatus und auf ein Asylverfahren hat, muss menschlich behandelt werden und muss auch menschlich dahin zurückgeführt werden, wo er hergekommen ist.“

Erzbischof Schick hat einen längeren Wunschzettel; der richtet sich an die Regierungen der EU, aber nicht nur. „Ich wünsche mir natürlich, dass sich die europäischen Staaten noch besser verabreden und dann auch in der Durchführung Menschenrechtsvereinbarungen einhalten. Ich wünsche mir, dass sie alles dafür tun, dass die Menschenrechtskonvention eingehalten wird und die Flüchtlingskonvention ebenso – und dass wir auch ein barmherziges Herz haben, das mit allen Menschen gut umgeht.“

(domradio – sk)
 

30 Juni 2018, 11:16