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Vatican News

Unsere Serie: Warum Theologie studieren? – Folge 5

Nach dem Abitur die Frage: Und was nun? Nicht wenige junge Menschen mit Abitur in der Tasche beginnen ein Studium. BWL, Medizin, Philosophie – oder Theologie. So ein Theologiestudium ist dabei vielseitiger, als es auf den ersten Blick erscheint – und auch die beruflichen Möglichkeiten, die sich den Absolventen eröffnen, sind breit gefächert. Wir haben für unsere Serie mit Theologie-Studierenden gesprochen. Benedict studiert Theologie, um, wie er sagt, „die besseren Argumente zu haben.“

Johanna Gremme - Vatikanstadt

VN: Benedict studiert Theologie und hat parallel auch einen Bachelorabschluss in Kommunikationswissenschaften. Er interessiert sich daher für die Schnittstelle zwischen Kirche und Medien, hat vor zwei Jahren ein Praktikum in der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz gemacht. Bald wird er sein Studium abschließen, dann wird er sich entscheiden müssen, wie es weitergeht.
Egal, wie es weitergeht: warum hast du dich denn überhaupt für ein Theologiestudium entschieden?

Benedict: Das hatte, wie das ja bei vielen Entscheidungen im Leben der Fall ist, verschiedene Hintergründe. Zum einen habe ich als Jugendlicher irgendwann gemerkt, dass der Glaube an Gott, an Jesus Christus, vor allen Dingen aber auch die Kirche eben keine Selbstverständlichkeit ist, wie ich das als Kind immer gedacht hatte, sondern dass einem da oft Unverständnis begegnet und man sich gar nicht selten dafür rechtfertigen muss, dass man katholisch ist und sogar praktizierend katholisch ist. Da wollte ich ursprünglich einfach die besseren Argumente haben. Daher habe ich dann angefangen, mich tiefergehend mit dem Glauben zu beschäftigen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass da ein enormes Vernunftpotenzial hinter steckt, also möglicherweise eine Vernünftigkeit, um die man gar nicht herumkommt, wenn man die Welt verstehen will. Und dass vieles in der Kirche aus ganz anders ist, als die üblichen Klischees vermuten lassen, wenn man sich einmal gründlich damit auseinandersetzt. Das hat mich alles sehr neugierig gemacht, sodass ich mich dann nach dem Abi dazu entschieden habe, Theologie zu studieren.

Der Gedanke, Priester zu werden, liegt natürlich nahe und ist eine ständige Frage aus Benedicts Umfeld. Für ihn selbst war das Priesteramt allerdings nie eine Option:

Benedict: Ich denke einfach, dass das nicht mein Lebensweg ist. Das Priesteramt ist ja auch kein Job, den man nur macht, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Da muss man schon bereit sein, sich ganz in diesen Dienst zu stellen und das eben auch ein Leben lang. Wenn man sich dafür entscheidet, muss man schon, denke ich, das Gefühl haben, dass man da buchstäblich für geschaffen ist, also dass Gott da eine Absicht mit einem hat. Und diesem Gefühl muss man dann sorgfältig nachspüren. Ich habe bisher den Eindruck, dass der Liebe Gott da andere Pläne mit mir hat und auch meine Fähigkeiten, oder meine „Charismen“, um es biblisch auszudrücken, einfach woanders liegen.

In seinem Studium geht Benedict voll auf. Es ist für ihn viel mehr als „nur eine berufsqualifizierende Hochschulausbildung.“ Die Fragen, mit denen er sich beschäftigt, treiben ihn nicht nur im Studium, sondern auch privat um und gehen ihn persönlich an, deswegen liest er sich gerne richtig tief ein. Natürlich kommt es auch mal vor, dass er keine Lust auf das Studium hat, das ist ja ganz normal:

Benedict: Manchmal will man sich auch einfach mit ganz profanen Dingen beschäftigen: Ich habe meine Band zum Ausgleich, mit der ich Musik machen kann, das ist eine schöne Abwechslung zum Studium. Auch wenn viele meinen, es sei doch eine seltsame Kombination morgens in der Vorlesung über Staatskirchenrecht und Mariendogmen zu diskutieren, und abends Songs über Whiskey zu singen.

VN: Hattest du schon einmal Zweifel an dem, was du tust?

Ja, solche Phasen hat es auch gegeben. Das hatte vor allen Dingen damit zu tun, dass ich ein Mensch bin, der gerne einen Plan in der Hand hat und in Bezug auf mein Theologiestudium noch nicht recht abzusehen ist, wohin mich das Ganze führen wird. Wie bin ich dann damit umgegangen? Ich habe Freunde, Familie, auch Gott, um Rat gebeten und bin dann irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass sich das Leben sowieso nicht richtig planen lässt und dass das Theologiestudium einfach jetzt genau das Richtige für mich ist.

VN: So überzeugt wie du sind ja die wenigsten. Gibt es etwas, das dir in Bezug auf die Kirchen Sorgen bereitet?
Benedict: Ich mache mir schon Sorgen um die Zukunft der Kirche, besonders in Europa, vor allem in Deutschland, denn da sind schon gewisse Tendenzen zu beobachten, dass sich die Kirche gewissermaßen von der Säkularisierung einschüchtern lässt, also versucht, ihre Nachwuchsprobleme dadurch zu bekämpfen, dass sie alles Unpopuläre beiseiteschiebt und sich den Zeitgeist teilweise bis in den Sprachgebrauch hinein zu eigen macht. Da ist dann ständig von notwendigem „Aufbruch“ die Rede, ohne dass überhaupt einmal jemand klar sagt, wohin es gehen soll. Also die Kirche ist seit 2000 Jahren unterwegs, die Kirche erneuert sich unentwegt, nur eben nicht so, wie manche das gerne hätten.

Halt gibt Benedict in all dem sein Glaube daran, dass Gott da ist und es gut mit ihm meint, auch, wenn es düster aussieht. Er sagt, das sei für ihn etwas wie „die letzte Garantie, das Sicherheitsnetz, dass selbst, wenn alles den Bach runtergeht, noch nichts verloren ist.“ Deswegen blickt er auch zuversichtlich in seine Zukunft nach dem Studium.

Zum Nachhören:

Benedict ist 23 Jahre alt und studiert in Münster seit 2013 Katholische Theologie im Vollstudium. Nebenbei hat er auch noch Kommunikationswissenschaften studiert, den Bachelor hat er aber inzwischen abgeschlossen. Er hat ein Praktikum bei der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz gemacht und könnte sich gut vorstellen, an der Schnittstelle zwischen Medien und Kirche zu arbeiten.

 

28 April 2018, 11:07