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Muslime bei einer Beerdigung im Gazastreifen Muslime bei einer Beerdigung im Gazastreifen  (AFP or licensors)

D: „Religion kehrt als Ideologie wieder“

Die vom Westen für überwunden gehaltene Religion kehrt als Ideologie zurück: als Islamismus nämlich und als identitäres Christentum. Das sagte der Islamwissenschaftler Stefan Weidner an diesem Freitag im Deutschlandfunk. Einen Ausweg könne eine Art von Spiritualität bieten, die nicht notwendigerweise religiös sein müsse, so Weidner.

„Diese Ideologie des Westens, die ich beschreibe, hat einen klaren säkularen Heilshorizont“, meinte der Islamwissenschaftler wörtlich. „Und wenn wir diesen Heilshorizont wegstreichen, dann bricht dieses ganze System zusammen.“ Damit sei klar, dass die „Ideologie des Westens“ ein „quasi religiöses Versprechen“ sei, das der „klassischen Religion“ eher entgegenstehe.

Weidner beklagte eine „allgemeine Form von Entfremdungs-Intoleranz“ im Westen. „Die Leute sind nicht bereit hinzunehmen, dass die Dinge nicht so laufen, wie sie idealerweise wollen und wie es ihnen versprochen wurde, obwohl dieses Land doch so reich ist.“

Wer sage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, vertrete eine „identitäre Konzeption“ der Religion: „Es ist nicht eine Religion im Sinne einer großen Spiritualität, einer Offenheit, einer Weite, eines wirklich religiösen Lebens, sondern es ist die Religion als Definition einer Identität, die sich gleichzeitig abgrenzt von anderen Identitäten.“ Das bedeute eine „Ideologisierung der Religion, eine Politisierung der Religion, nicht um die Menschen zu verbinden, sondern um sie voneinander abzutrennen“. „Und da funktioniert der radikalpolitische Islam nicht anders“, so Weidner. In diesem negativen Sinn habe sich der Islam längst „verwestlicht“.

(dlf/vatican news – sk)
 

27 April 2018, 10:48