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Papst Franziskus begrüßt Hartmut Niehues, Rektor des Seminars in Münster Papst Franziskus begrüßt Hartmut Niehues, Rektor des Seminars in Münster  (Vatican Media)

„Keine spannendere Zeit als heute, Priester zu werden“

Das Priesterbild von morgen und die Gestalt der Kirche prägen: mit diesen Herauforderungen sieht sich die kommende Generation von Priestern konfrontiert. Dazu soll die Ausbildung gestärkt werden, so will es Papst Franziskus. Aber wie geht das? Das war auch Thema einer Tagung deutschsprachiger Priesterseminar-Regenten, die diese Woche in Rom stattfand.

Von Dienstag bis Donnerstag tauschten sich die Regenten in Rom aus, am Donnerstag empfing Papst Franziskus sie dann auch in Audienz. Hartmut Niehues vom Priesterseminar in Münster ist Vorsitzender der Rektoren der deutschsprachigen Priesterseminare. Er hat uns nach Abschluss der Tagung in der Redaktion besucht, Pater Bernd Hagenkord bat ihn zum Gespräch.

Vatican News: Papst Franziskus hat betont, wie wichtig Priesterseminare seien und dass die Priesterausbildung dort zu stärken sei. Die deutschsprachigen Rektoren der Seminare haben dazu jetzt in Rom getagt: wie macht man das heute? Wie stärkt man heute die Priesterausbildung?

Niehues: „Wir haben verschiedene Dimensionen besprochen, dabei ging es vor allem um die Basisdimension, die menschliche Reife. Darauf legen wir großen Wert bei der Auswahl der Kandidaten, aber dann auch in der Ausbildung selber. Wir wollen die menschliche Reife fördern.“

VN: Wenn wir Papst Franziskus zuhören, dann spricht der immer und immer wieder - und das auch zum Frust vieler Priester - über den Klerikalismus. Ist das in der deutschsprachigen Kirche und der kommenden Generation eine Gefahr?

Niehues: „Die Gefahr klerikalistischer Tendenzen gibt es mit Sicherheit. Da wird sich niemand von freisprechen können. Ich glaube aber auch, dass wir sehr sensibel mit dieser Frage umgehen und sehr deutliche Rückmeldungen geben, wenn es bei Seminaristen solche Tendenzen geben sollte. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, über die Ausbildungsphase hinaus im Blick zu haben, dass sich die Priesterbildung – nicht nur die Ausbildung – nicht nur auf den Zeitraum im Seminar bezieht, sondern auch auf die Phase davor und die lebenslange Weiterbildung.“

VN: Wenn man an Priesterseminar denkt, denkt man vielleicht vor allem an große und meistens leere Gebäude. Die Zahl der Priesteramtskandidaten wächst nicht, wie werden Sie in Zukunft ausbilden?

Niehues: „In seiner Ansprache hat der Heilige Vater darauf hingewiesen, dass es notwendig ist, auch von Gewohntem Abschied zu nehmen. Davon ist auch die Priesterausbildung nicht frei und das kann sich durchaus auch auf Häuser und die äußeren Rahmenbedingungen beziehen. Es geht aber immer auch um eine innere Einstellung. Da müssen wir sehen, welche Möglichkeiten wir angesichts der zurückgehenden Zahlen haben, da müssen wir die Ausbildung so gestalten, dass es sinnvoll und verantwortet ist, junge Männer auf den Priesterberuf vorzubereiten.“

VN: Junge, aber nicht nur junge, Priester haben immer mehr Arbeit, vor allem in Flächenbistümern werden die Seelsorgseinheiten und die zu überwindenden Distanzen immer größer. Ist das die größte Sorge der kommenden Generation? Oder was besorgt die jungen Männer, die zu Ihnen kommen, am meisten?

Niehues: „Das ist eine große Sorge, ‚kann ich die mir gestellte Aufgabe überhaupt erfüllen?‘, aber es ist auch eine Sorge - und zwar eine Sorge aller in der Kirche - wie wir das Priesterbild weiter gestalten. Auch da muss man offen sein für Veränderungen, die sich in den kommenden Jahren vollziehen werden. Wir haben ein Verständnis von gemeinsam in der Kirche unterwegs sein, das mit den verschiedenen pastoralen Berufen, zu entdecken und zwar auf der gemeinsamen Basis des Getauft-Seins, das ist das Entscheidende. Es ist entscheidend, dass wir unser Priesterbild in diese Richtung weiter entwickeln, als Christin und Christ gemeinsam gesandt, um in der Welt die Frohe Botschaft Jesu Christi zu verkünden. Das ist die Herausforderung der kommenden Jahre.“

VN: Sind das nur negative Herausforderungen oder gibt es da auch einen positiven Ausblick?

Niehues: „Ich sage das mal so: es gibt glaube ich keine Zeit, wo es spannender ist als zum jetzigen Zeitpunkt, Priester zu werden. Die Kirche ist insgesamt im Umbruch und gerade die jüngeren Priester haben die Gelegenheit, das Gesicht und die zukünftige Gestalt der Kirche mit zu predigen. Insofern ist es spannend, auch wenn wir nicht wissen, worauf wir uns einlassen. Es ist eine Herausforderung für Männer, die Entdeckergeist haben und bereit sind, wirklich alles hinter sich zu lassen, sich mit Jesus Christus auf den Weg zu machen und Neuland zu entdecken.“

(vn)

09 März 2018, 09:05