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Iranische Botschaft in Wien Iranische Botschaft in Wien  (ANSA)

Österreich: Christen aus dem Iran in auswegloser Lage

Die Erzdiözese Wien startet eine humanitäre Hilfsaktion für iranische Christen. Ihnen wird die einst zugesagte Einreise in die USA verweigert, aber sie können auch nicht zurück in ihre Heimat.

Kardinal Christoph Schönborn hat zur Hilfe für die 108 Menschen aus dem Iran aufgerufen, die seit Monaten in Wien festsitzen. Grund dafür ist, dass US-Präsident Donald Trump im Januar 2017 die Einreisebedingungen in die USA verschärft hat. Nun können die Iraner nicht in die USA weiterreisen. Gleichzeitig können sie auch nicht in ihre Heimat zurückkehren. Dort fürchten sie Repressalien. Die Iraner waren im Zuge eines Hilfsprogramms für religiöse Minderheiten nach Wien aufgebrochen.

Den Menschen, die über keine eigenen finanziellen Mittel mehr verfügen, hilft derzeit nur der Wiener Erzbischof. „Die Gestrandeten brauchen unsere Solidarität und konkrete Hilfe. Ich selbst helfe, so gut es mir möglich ist“, sagt der Kardinal in der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“. Seine Diözese hat nun eine Hilfsaktion für die Iraner gestartet.

Diese Iraner sind assyrische und armenische Christen, Mandäer und Zoroastrier. Trumps Einreisebeschränkungen sollten eigentlich „radikale islamische Terroristen“ aus den USA fernhalten – aber unter den Geflüchteten befindet sich kein einziger Muslim.

Stattdessen sind da Familien, Alleinstehende sowie alte und behinderte Menschen. Sie sind Teilnehmer des sogenannten „Lautenberg-Programms“, das vor 28 Jahren vom amerikanischen Kongress beschlossen wurde. Ursprünglich diente es dazu, religiöse Minderheiten wie Juden aus der früheren Sowjetunion zu helfen und sie in die USA zu holen. Das Programm wurde dann auf den Iran ausgeweitet. Da eine direkte Ausreise aus dem Iran aber nicht möglich ist, weil die USA und der Iran keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, diente Österreich als Transitland. Die Menschen mussten sich in Wien eine Unterkunft besorgen und über die US-Botschaft diverse Formalitäten abwickeln. Dieser Prozess sollte nicht länger als sechs Monate dauern. Weil dieses Programm bislang sicher funktioniert hat, haben die Iraner darauf vertraut. Sie haben ihre Jobs aufgegeben und in ihrer Heimat allen Besitz verkauft. Denn eine der Voraussetzungen des Programms besteht darin, dass die Ausreisewilligen ihre Reise und den Aufenthalt in Wien selbst bezahlen. Da sie nun aber viel länger als geplant in Wien sind, haben sie ihre finanziellen Mittel aufgebraucht. Auch der österreichische Staat unterstützt die Iraner nicht.

Der Kardinal hilft vielen der Gestrandeten mit eigenen Mitteln, allerdings kann er nicht alleine 108 Menschen versorgen.

(kap– nv)

16 März 2018, 16:35