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Kardinal Christoph Schönborn Kardinal Christoph Schönborn 

Kardinal Schönborn: „Vorangehen das Entscheidende“

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sieht in Papst Franziskus einen mitunter einsamen Vordenker seiner Kirche. „Franziskus geht wirklich zum Teil sehr alleine voran. Aber er geht voran, das ist das Entscheidende. Und es folgen doch viele“, sagte Schönborn in einem Interview der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ vom Donnerstag.

In dieser „manchmal auch sehr schmerzlichen Einsamkeit“ bewirke Franziskus viel. „Er ermutigt viele. Es ist ein Wandel da, das ist spürbar“, so die Einschätzung Schönborns. Die leidvolle Erfahrung der Einsamkeit an der Spitze teile der Papst mit Jesus, der trotz des Zögerns und Zweifelns seiner Jünger vorangegangen sei.

Schönborn betonte, der Papst spreche viele Menschen an, die mit der Kirche wenig zu tun haben. Sie seien „berührt von seinen Gesten und Worten und von seinem Zugehen auf Menschen und spüren irgendwie: Ja, darum würde es eigentlich gehen.“

Dubia-Brief „nicht angemessen“

Zur Debatte um das Papstschreiben „Amoris laetitia“ über Ehe und Familie sagte Schönborn, er könne Zweifel daran grundsätzlich verstehen. Zugleich äußerte er Kritik am Vorgehen der vier Kardinäle Joachim Meisner, Walter Brandmüller, Carlo Caffara und Raymond Leo Burke. Diese hatten vor gut einem Jahr ihre Bedenken öffentlich gemacht und den Papst um eine Antwort gebeten. Wichtigster Streitpunkt ist der offenere Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Sie waren nach kirchlicher Lehre bisher in der Regel vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen.

Er halte es für „nicht angemessen“, dass die Kardinäle ihre Anfrage publiziert und darauf verwiesen hätten, dass Franziskus sie nicht empfange, sagte Schönborn. „Das gehört sich nicht für enge Mitarbeiter des Papstes.“ Aber selbstverständlich sei es „gut und richtig“, auf diese Fragen eine Antwort zu geben, so der Wiener Erzbischof weiter. Das sei inzwischen jedoch vielfach geschehen.

Schönborn verwies auf ein Buch des Philosophen Rocco Buttiglione vom vergangenen Herbst, zu dem der frühere Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein ausführliches Vorwort beisteuerte. „Beide zeigen dort, dass die Zweifel der vier Kardinäle im Text von 'Amoris laetitia' selbst die Antwort finden.“

Schönborn gilt als einer der einflussreichsten Kardinäle in der Weltkirche. Auf die Frage, ob er sich als Schüler Joseph Ratzingers und „Muster-Interpret“ von „Amoris laetitia“ als eine Art theologischer Brückenbauer zwischen Franziskus und dem Vorgänger Benedikt XVI. sehe, antwortete der Kardinal: „Ich glaube nicht, dass es eine Brücke braucht zwischen den beiden. Sie sind sehr verschieden und sind sich aber viel näher, als man oft annimmt.“

Erfreut zeigte sich Schönborn darüber, dass Franziskus seine Hinführung zu „Amoris laetitia“ schätze. Umgekehrt halte er das päpstliche Lehrschreiben für ein „ganz wichtiges und großes Dokument, das für Eheleute und Familien wirklich sehr hilfreich ist“.

(kap – pr)

10 Januar 2018, 15:58