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Norbert Röttgen, Bundestagsabgeordneter, im Gespräch mit Karl Jüsten, Vertreter der Bischöfe in Berlin. Der Anlass ist der Comece-Dialogprozess im Vatikan. Norbert Röttgen, Bundestagsabgeordneter, im Gespräch mit Karl Jüsten, Vertreter der Bischöfe in Berlin. Der Anlass ist der Comece-Dialogprozess im Vatikan. 

Kritik aus der Politik: Kirchen „liefern zu wenig“ in Sachen Europa

Der CDU-Abgeordnete Norbert Röttgen fordert mehr Einsatz der katholischen Kirche für Europa. Das sagte der frühere Bundesminister für Umwelt an diesem Freitag in Rom. Im Gespräch mit Radio Vatikan lobte Röttgen, dass sich Kirchenleute für Europa engagieren – einerseits. „Aber ich finde, sie liefern zu wenig.“

Stefan von Kempis - Cittá del Vaticano

„Den Papst muss man sicher ausnehmen, der schon mehrfach durch seine persönlichen Beiträge und Reden den Stellenwert von Europa, den auch er religiös-kirchlich-politisch sieht, unterstrichen hat. Aber bei der Frage: Wie kommen wir voran in Europa, was ist die Identität, was ist die Humanität… auch der europäische Imperativ, den Blick von innen aus der Verantwortung gegenüber der Welt nach außen zu richten – da müsste die Kirche lauter werden und substanzieller werden!“

Röttgen war bis vor kurzem im Deutschen Bundestag Vorsitzender des einflussreichen Auswärtigen Ausschusses. Er nimmt in diesen Tagen im Vatikan an einem Dialog zwischen Kirche und Politik zum Thema Europa teil, organisiert vom Verband europäischer Bischofskonferenzen Comece.

Europa erlebt „eine existenzielle Krise“

Wir fragten den Abgeordneten, wen genau er mit seiner Kritik meint. Die deutsche Kirche? Die europäischen Kirchen? Seine Antwort: „Die katholische Kirche. Ich sage das als Katholik. Die christlichen Kirchen müssten den Ernst der Lage deutlicher ausdrücken. Das ist nicht eine Krise, wie man schon viele in Europa kannte, sondern nach meiner Überzeugung eine ernste, eine existenzielle Krise.“ Und da Europa „das abendländische, das christliche Europa“ sei, sei das „auch ein Thema der christlichen Kirchen“.

“ Die christlichen Kirchen müssten den Ernst der Lage deutlicher ausdrücken. Das ist nicht eine Krise, wie man schon viele in Europa kannte, sondern nach meiner Überzeugung eine ernste, eine existenzielle Krise. ”

„Sie müssten substanzieller, ernsthafter sich selber einbringen. Nicht nur als, sozusagen, externer Ratgeber. Diese christlichen Kirchen sind ein Teil Europas, und so müssten sie sich auch stärker einbringen und sich an der Diskussion und ihrer Lösung beteiligen.“

Der CDU-Politiker verwies auf die Katalonien-Krise, die zeitgleich zum Kirche-und-Politik-Dialog im Vatikan weiter eskaliert ist.

„Die krisenhafte Situation Europas ist jeden Tag mit Händen zu greifen: Mal ist es der Euro, mal Russland oder interne Probleme in Staaten, die aber auch eine europäische Dimension haben. Bislang ist das Thema Katalonien (bei unserem Dialog) nur einmal kurz aufgeflammt, es ging eher um Grundsätzliches – aber ich glaube, wir müssen sehr rasch vom Grundsätzlichen, wo der Konsens groß ist, zum Konkreten kommen, und da werden wir noch viel diskutieren müssen.“

Jamaika-Koalition wird „innovativer und aktiver“

Norbert Röttgen äußerte sich auch zu den Sondierungsgesprächen zwischen Union, FDP und Grünen in Deutschland mit Blick auf eine Regierungsbildung. Dabei bemühte er sich, Zweifel am Europakurs der künftigen Regierung zu zerstreuen.

“ Wir müssen sehr rasch vom Grundsätzlichen, wo der Konsens groß ist, zum Konkreten kommen, und da werden wir noch viel diskutieren müssen. ”

„Die große Koalition war europa-freundlich, das ist keine Frage. Die CDU ist es weiterhin, die Grünen sind es auch – auch die FDP ist es. Aber die FDP hat sicherlich in ihren Reihen Mitglieder und Politiker, die, was den Euro anbelangt, skeptisch gegenüber dem bisherigen Kurs sind. Auch diese Haltung wird jetzt natürlich einem Realitätstest unterzogen.“

Insgesamt aber, so Röttgen, könne man die „sich abzeichnende Regierung außen- und europapolitisch positiv sehen“. „Das ist eine neue Konstellation, die auch jeweils unterschiedliche Teile der Bevölkerung repräsentiert. Darum kann sie, glaube ich, auch innovativer und aktiver werden.“

27 Oktober 2017, 00:02