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Ukraine im Krieg: Humanitäre Krise wird immer schlimmer

Der Besuch von Papst Franziskus an diesem Sonntagnachmittag bei der ukrainischen Gemeinde in Rom lenkt den Blick auf eine offene Wunde im Herzen Europas: den Krieg, der nunmehr seit Jahren und fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit tobt. Der Präsident von Caritas Ukraine, Andrij Waskowycz, berichtet im Gespräch mit Kathpress von der Lage in seinem Land.

Georg Pulling – Wien

Vergessen vom Rest der Welt tobt im Osten Europas seit bald vier Jahren ein Krieg, der bereits mehr als 10.000 Todesopfer, 25.000 Verletzte und Millionen Vertriebene gefordert hat. Und immer noch sterben fast täglich Menschen, darunter auch viele Zivilisten und auch Kinder. Insgesamt seien vom Krieg in der Ukraine mehr als 4,1 Millionen Menschen betroffen, so der ukrainische Caritas-Präsident Waskowycz. Davon bräuchten 3,1 Millionen dringend humanitäre Hilfe. Mehr als 1,5 Millionen Menschen hätten sich aus den umkämpften bzw. von den Separatisten besetzten Gebieten in andere Teile der Ukraine geflüchtet. Die Situation für die Flüchtlinge und in den Kampfgebieten Zurückgebliebenen werde immer schlimmer.

Waskowycz äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur „Kathpress“ in der ostukrainischen Stadt Charkiv, wo er mit dem österreichischen Caritas-Präsidenten Michael Landau zusammengetroffen ist. Dieser hat zum Auftakt der diesjährigen Februar-Sammlung der Caritas, bei der vor allem Kinder im Mittelpunkt stehen, Hilfsprojekte in der Ukraine besucht.

 

„Sie wissen nicht, ob sie sich von ihrem wenigen Geld etwas zum Essen kaufen sollen oder Medikamente“

 

Viele Flüchtlinge hätten bisher von ihren Ersparnissen gelebt oder seien auch von ihren Landsleuten unterstützt worden. Nun seien aber auch die letzten Ersparnisse aufgebraucht und die Menschen stünden vielfach vor dem Nichts. „Sie wissen nicht, ob sie sich von ihrem wenigen Geld etwas zum Essen kaufen sollen oder Medikamente. Zahlreiche Eltern hätten sogar schon ihre Kinder aus den Schulen genommen, weil sie sich den Schulbesuch nicht mehr leisten können.

Die humanitäre Krise habe eine Folge von Problemen mit sich gebracht, so Waskowycz: „Armutsprostitution, Kriminalität und Alkoholismus sind stark im Steigen.“ Der Krieg habe zudem viele Familien auseinandergerissen. Dazu komme, dass viele Flüchtlinge und Menschen, die im Kampfgebiet leben, Erwachsene wie Kinder, schwer traumatisiert sind.

 

457 Kilometer lange Kontaktlinie

 

Die Frontlinie quer durch die ostukrainischen Regionen („Oblaste“) Lugansk und Donezk, die verharmlosend „Kontaktlinie“ genannt wird, erstreckt sich über 457 Kilometer Länge. Die unmittelbar angrenzende Zone auf beiden Seiten wird „Pufferzone“ genannt. Ein Gebiet, in dem immer noch 600.000 Menschen leben müssen, vor allem Alte und auch viele Kinder. Waskowicz: „60 Prozent der Menschen in dieser Zone bekommen mindestens einmal pro Woche Gefechte mit, 40 Prozent erleben sogar täglich Kämpfe. Das ist ein unheimlicher Stress der zu schweren Traumatisierungen führt.“

Gekämpft werde meist in der Nacht, „denn die OSZE-Beobachter sind aus Sicherheitsgründen nur tagsüber im Kampfgebiet unterwegs und können so die nächtlichen Kampfhandlungen nicht registrieren“.

In den von den Separatisten besetzten Gebieten von Lugansk und Donezk leben noch rund 1,8 Millionen Menschen. Auch viele Flüchtlinge sind inzwischen wieder zurückgekehrt, so Waskowycz. „Wir wissen nicht, wie viele tatsächlich diesen Schritt gesetzt haben. Aber bei Umfragen haben sich 27 Prozent der Binnenvertriebenen dafür ausgesprochen“, so Waskowycz. Sie wollten lieber zurückkehren als weiter in einer hoffnungslosen Situation leben.

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28. Januar 2018, 13:43