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Bambino Gesu-Prozess: Haftstrafe und Freispruch gefordert

Im Prozess um die Veruntreuung von Spendengeldern beim Vatikankrankenhaus Bambino Gesu hat der zuständige Staatsanwalt an diesem Montag eine Haftstrafe und einen Freispruch gefordert. Fortgesetzt werden soll die Gerichtsverhandlung am Samstag.

Für den Hauptangeklagten Giuseppe Profiti, den ehemaligen Präsidenten der Stiftung Bambino Gesu, plädierte Roberto Zannotti auf eine dreijährige Freiheitsstrafe, ein lebenslanges Verbot der Bekleidung von Vatikanämtern und ein Bußgeld von 5.000 Euro, wie das vatikanische Presseamt am Montagnachmittag bekanntgab. Für den zweiten Angeklagten und ehemaligen Schatzmeister der Stiftung, Massimo Spina, forderte er einen Freispruch aufgrund unzureichender Beweislage. Mit Blick auf die Verwaltung der Klinikgelder sprach der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer am Montag von einer grundsätzlich „mangelhaften und undurchsichtigen“ Amtsführung.

Als letzte Zeugin war am achten Prozesstag die Klinikdirektorin Mariella Enoc geladen. Diese sagte aus, es habe bei Amtsaufnahme im Februar 2015 keine Übergabe durch Profiti gegeben. Kardinal Tarcisio Bertone habe ihr gegenüber bekräftigt, er wisse nichts von den Vorgängen rund um den Umbau seiner Vatikanwohnung zu Spendenzwecken und wäre mit so etwas auch nicht einverstanden gewesen. Der Kardinal, der beim Prozess bisher nicht in Erscheinung trat, hatte laut Medien erklärt, er habe 300.000 Euro selbst für die Renovierung beigesteuert.

Enoc bestätigte am Montag zudem, Bertone habe 150.000 Euro als Spende an das Kinderkrankenhaus als „Zeichen von Generosität“ überwiesen. Sie habe den Kardinal per Brief gebeten, die 422.000 Euro, die die Stiftung des Kinderkrankenhauses unter Profiti für die Arbeiten seiner Wohnung gezahlt hatte, zu erstatten. Über seinen Anwalt habe Bertone daraufhin mitteilen lassen, er schulde dem Krankenhaus nichts, jedoch die Spende getätigt.

In dem Mitte Juli begonnen Prozess sind der ehemalige Chef der Stiftung Bambino Gesu, Giuseppe Profiti, sowie der frühere Schatzmeister der Stiftung, Massimo Spina, angeklagt. Sie sollen im Zuge einer Renovierung der Wohnung des früheren Kardinalstaatssekretärs Bertone rund 420.000 Euro veruntreut haben. Demnach erfolgte die Umbaufinanzierung mit der Maßgabe, Bertone solle sein Appartement für Veranstaltungen mit dem Zweck der Spendenwerbung zur Verfügung stellen.

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10. Oktober 2017, 07:47