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Angelus: Die Katechese im Wortlaut

Lesen Sie hier die Katechese des Papstes in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan. Die offizielle Übersetzung, inklusive einiger Einschübe des Papstes, finden Sie in Kürze auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute feiern wir die Taufe des Herrn. Vor ein paar Tagen haben wir das Jesuskind hinter uns gelassen, dem die Heiligen Drei Könige ihre Aufwartung machten; jetzt begegnen wir ihm als Erwachsenem an den Ufern des Jordans wieder. Die Liturgie lässt uns einen Sprung von etwa dreißig Jahren machen, dreißig Jahre, von denen wir eines wissen: Es waren Jahre des verborgenen Lebens, die Jesus in der Familie zubrachte, seinen Eltern gehorchend, lernend und arbeitend. Es ist auffallend, dass der Herr den größten Teil seiner Zeit auf Erden auf diese Weise zugebracht hat: indem er ein ganz gewöhnliches Leben lebte, ohne aufzufallen. Und das ist eine schöne Botschaft für uns: Sie offenbart uns die Größe des Alltags, die Bedeutung, die jede Geste, jeder Augenblick unseres Lebens – selbst der einfachste und verborgenste – in den Augen Gottes hat.

Nach diesen dreißig Jahren verborgenen Lebens beginnt das öffentliche Leben Jesu. Und es beginnt mit seiner Taufe im Fluss Jordan. Aber warum hat sich Jesus taufen lassen? Die Taufe des Johannes bestand in einem Bußritus, sie war ein Zeichen des Willens zur Bekehrung, der Bitte um Vergebung der Sünden. Jesus aber hatte das sicher nicht nötig. Tatsächlich meldet Johannes der Täufer Bedenken an, aber Jesus lässt keinen Widerspruch zu. Warum? Weil er bei den Sündern sein will: Deshalb reiht er sich unter die Sünder ein, vollzieht die gleiche Geste wie alle anderen auch. (...) Er geht hinunter zum Fluss, um in den gleichen Zustand einzutauchen wie wir. Taufen bedeutet nämlich genau genommen „Untertauchen“. Am ersten Tag seines Dienstes bietet uns Jesus also sein „programmatisches Manifest“ an. Er sagt uns, dass er uns nicht von oben herab rettet, mit einer souveränen Entscheidung oder einem Kraftakt, sondern indem er zu uns kommt und unsere Sünden auf sich nimmt. So besiegt Gott das Böse in der Welt: indem er sich erniedrigt und es auf sich nimmt. Und genau das ist auch die Art und Weise, wie wir andere aufrichten können: nicht indem wir urteilen, nicht indem wir ihnen sagen, was sie tun sollen, sondern indem wir ihnen nahe sind, ihnen Mitleid zeigen und Gottes Liebe mit ihnen teilen.

(...)

Nach dieser Geste des Mitgefühls Jesu geschieht etwas Außergewöhnliches: Der Himmel reißt auf und die Dreifaltigkeit wird offenbart. Der Heilige Geist kommt in Gestalt einer Taube herab (vgl. Mk 1,10) und der Vater sagt zu Jesus: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (V. 11). Gott offenbart sich, wenn sich die Barmherzigkeit zeigt, denn sie ist sein wahres Gesicht. Jesus wird zum Diener der Sünder und er wird Sohn genannt; er beugt sich zu uns hinunter und der Geist kommt auf ihn herab. Liebe ruft nach Liebe. Das gilt auch für uns: In jeder Geste des Dienens, in jedem Werk der Barmherzigkeit, das wir tun, offenbart sich Gott und lässt seinen Blick auf der Welt ruhen.

Noch bevor wir irgendetwas tun, ist unser Leben schon von der Gnade geprägt, die auf uns herabgekommen ist. Wir sind gerettet worden, auf unentgeltliche Weise. Das Heil ist gratis. (...) 

Möge die Gottesmutter, zu der wir jetzt beten, uns helfen, unsere Identität zu bewahren, die Identität, barmherzig zu sein, die die Grundlage unseres Glaubens und unseres Lebens ist.
 

(vaticannews - skr)

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10. Januar 2021, 12:13