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Türkischer Präsident ruft Papst an

Der türkische Präsident Tayyeb Recip Erdogan hat an diesem Freitagmorgen Papst Franziskus angerufen. Der vatikanische Pressesaal bestätigte das Telefongespräch ohne weitere Angaben zu Anlass oder Thema der Unterredung.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Präsident Erdogan sei es gewesen, der den Papst angerufen habe. Türkische Medien berichten derweil, es sei bei dem Telefongespräch um den aktuellen Streit um Jerusalem gegangen. So hätten sich der Papst und Erdogan zufrieden über die Resolution der UN-Vollversammlung vom 21. Dezember gezeigt, bei dem Trumps Entscheidung zu Jerusalem verurteilt worden war, berichtete die Agentur Anadolu unter Verweis auf regierungsnahe Quellen aus der Türkei.

Bei der völkerrechtlich nicht bindenden Abstimmung hatte die UN-Vollversammlung die USA mit deutlicher Mehrheit dazu aufgefordert, ihre Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt zurückzunehmen.  In dem Text wird „tiefes Bedauern" über „jüngste Entscheidungen im Hinblick auf den Status Jerusalems" ausgedrückt. „Jede Entscheidung oder Tat, die den Charakter, Status, oder die demografische Zusammensetzung Jerusalems verändern", sei „nicht rechtskräftig, sondern null und nichtig", heißt es weiter. Zudem hält die Resolution fest, der endgültige Status Jerusalems müsse durch Verhandlungen in Einklang mit einschlägigen UN-Resolutionen verhandelt werden.

128 Staaten - darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie die arabischen Staaten Saudi-Arabien, Ägypten und Kuwait - stimmten dafür. Neun stimmten dagegen, darunter Israel und die USA. 35 Staaten hatten sich enthalten. Eingebracht worden war die Resolution von der Türkei sowie dem Jemen. Erdogan hatte Israel zuvor als „Terrorstaat“ bezeichnet und US-Präsident Trump vorgeworfen, mit seiner Entscheidung Unruhe zu stiften. 

In der Türkei hatte es wie auch in anderen Staaten der muslimischen Welt Proteste nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump gegeben, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen und die Stadt als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Der Heilige Stuhl plädierte nach Trumps Jerusalem-Entscheid für die Beibehaltung des Status Quo und eine Friedenslösung für die Stadt. In diese Richtung äußerte sich etwa Kurienkardinal Tauran an diesem Donnerstag im Interview mit der Vatikanzeitung. 

Papst Franziskus hatte nach Trumps Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen, tiefe Sorge geäußert. Er hoffe, dass sich „Weisheit und Klugheit" durchsetzten, so der Papst am 6. Dezember im Vatikan.

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29. Dezember 2017, 14:10