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Straßenzug in Havanna Straßenzug in Havanna 

Erzbischof Schick nach Kuba-Besuch: Menschen wünschen sich mehr Pluralismus

Eine arme Kirche für die Armen und ein Volk, dass sich mehr Pluralismus und eine bessere Zukunft wünscht. Dieses Bild zeichnet Weltkirche-Bischof Ludwig Schick nach seiner Rückkehr von einer mehrtägigen Solidaritäts- und Dialogreise nach Kuba im Interview mit Vatican News.

„Kubas katholische Kirche ist eine arme Kirche für die Armen, die mit kleiner Kraft Großes schafft“, bringt der Erzbischof seine Eindrück im Interview mit Anne Preckel auf den Punkt. „Die Kirche ist wirklich aktiv für die Menschen in allen Bereichen. Und sie hat heute auch größere Möglichkeiten, auch dank der drei Papstbesuche auf Kuba. Das hat der Kirche Auftrieb gegeben.“

Vatican News: Papst Franziskus hatte 2015 auf Kuba mehr religiöse Freiräume gefordert. Es gibt dort auch immer noch Festnahmen politisch Andersdenkender, und auch die wirtschaftliche Blockade der USA trifft die Bevölkerung hart. Was haben Sie von solchen Schwierigkeiten der Menschen mitbekommen?

Schick: „Die Bischöfe sagen, dass sich schon seit dem Besuch Johannes Paul II, neue Räume eröffnet haben. Natürlich erwartete sich die katholische Kirche noch mehr, als freie Kirche in einer freien Gesellschaft wirken zu können. Es gibt Begrenzungen und Einschränkungen, und es wird daran gearbeitet, dass es eine Öffnung da gibt – in allen Bereichen, in Wirtschaft, Bildung und in punkto politischer Partizipation, denn es gibt ja nur eine Einheitspartei. In ihrem Hirtenbrief aus dem Jahr 2013 und dem Pastoralplan bis 2020 hat die Kirche Kubas dem Volk eine Stimme gegeben, indem sie sagt: Das Volk erwartet sich eine größere Öffnung und Partizipation in F, gemäß Recht und auch Ordnung. Nur so könne das Gemeinwohl gefördert werden.“

Vatican News: Ein Reibungspunkt zwischen Regierung und Kirche ist der Bildungsbereich – inwiefern ist katholisches Lehren heute auf Kuba möglich?

Schick: „Katholische Schulen gibt es nicht, es gibt ein monopolitisches System der Bildung, indem es nur staatliche Bildungseinrichtungen gibt. Wie wir als Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil hervorgehoben haben, ist Bildung in Schulen, Unis usw. ein Grundanliegen, und das möchte natürlich auch die Bischofskonferenz in Kuba. Doch dies ist nicht möglich.“

Vatican News: Seit dem Besuch von Johannes Paul II. Ende der 1990er Jahre bis heute hat sich viel getan, sagen Sie. Einmal politisch gefragt: Welche Rolle spricht Kubas Führung heute der katholischen Kirche im Land zu?

Schick: „Das kann ich schlecht beurteilen. Es gibt Gespräche, aber die Partei und Staatsführung versucht natürlich immer noch zu betonen, dass sie das Volk vertritt und dass keine andere Stimme nötig ist. Doch das, was ich mitbekommen habe, ist eben auch anders: Die Menschen möchten, dass auch andere Organe in der Gesellschaft ihre Stimme erheben und mitwirken können, dass es eine pluralistische Gesellschaft gibt, weil dadurch eben die Menschen ihre Freiheitsrechte einnehmen und auch besser mitwirken können. Und die Kirche ist ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und deshalb wird auch von den Laien gefordert, dass sie mitwirken.“

Vatican News: So mancher Beobachter sieht Kuba wirtschaftlich und politisch vor dem Abgrund. Welche Rolle könnte die Kirche spielen, sollte dieses Szenario eintreten?

Schick: „Die Kirche hat eine (soziale, Anm.) Rolle und sie nimmt sie ja auch wahr, indem sie sich etwa um die alten Menschen kümmert, die oft arm und verlassen sind. Sie ist auch tätig, um die Schäden des Hurrikan Irma und der anderen Stürme zu beseitigen. Sie spricht mit Jugendlichen und Kindern und versucht deren Lage zu verbessern und ihnen Hoffnung zu geben. Sie tut schon viel, sie könnte noch mehr tun, aber sie ist dran, Freiheitsräume auf Kuba zu erweitern.“

Vatican News: Franziskus Vermittlung hatte zuletzt zu einer Entspannung zwischen Kuba und den USA geführt, die wesentlich auch von US-Präsident Obama gefördert wurde. In Washington sitzt jetzt allerdings Donald Trump…

Schick: „Die nach Obamas Öffnung errichtete US-amerikanische Botschaft in Havanna ist nicht besetzt ist. Es gibt auch keinen Botschafter dort. Obamas Öffnung hat Trump zurückgenommen, sie liegt jetzt wieder auf Eis. Die Menschen hatten sich davon schon viel erwartet, aber sie sind jetzt natürlich auch enttäuscht und warten und hoffen auf einen weiteren Schritt. Weil die Beziehungen zwischen USA und Kuba als Nachbarn ganz wichtig sind. Erst eine Öffnung in dieser Beziehung kann eine Öffnung Kubas zur Welt hin bewirken.“

Hier zum Anhören

(von Anne Preckel - Vatican News)

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12. Januar 2018, 16:23